VS-Villingen - Kurzarbeit meldet die Continental AG für ihr Werk in Villingen an. Betroffen sind einzelne Abteilungen der Produktion, in der rund 790 der insgesamt 1310 Mitarbeiter tätig sind.

Da sich die kritische Situation für Nutzfahrzeuge in Europa in den vergangenen Wochen und Monaten nicht verbessert habe und das Werk in Villingen genau für diesen Markt Tachographen und ähnliche Instrumente produziere, habe sich Continental zu diesem Schritt entschlossen, erklärte gestern Ingo Sczesny, zuständiger Sprecher des Konzerns. In Fertigung, Vertrieb und Entwicklung der weltweit tätigen Geschäftseinheiten am Standort Villingen laufe der normale Betrieb weiter. Auf dem europäischen Markt für Nutzfahrzeuge seien jedoch seit Anfang des Jahres die Aufträge der Kunden verstärkt zurückgegangen.

Der sinkende Absatz mache es erforderlich, die Produktion zurückzuschrauben, so dass sich auch die Zahl der eingesetzten Mitarbeiter momentan nicht aufrechterhalten lässt, so Sczesny. Der Konzern nutze in solchen Fällen eigentlich Instrumente wie Arbeitszeitkonten. Doch da die Nutzfahrzeug-Konjunktur bereits seit einiger Zeit schwach sei, gebe es kaum Überstunden. Um die schwierige wirtschaftliche Lage ohne Personalabbau zu überbrücken, melde Continental so für die Produktion in Villingen Anfang Februar Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit an. Frühestens am 13. Februar könne diese dann beginnen, steckte Sczesny den Zeitplan ab. Die Betriebsvereinbarung habe der Betriebsrat am vergangenen Mittwoch abgeschlossen. Die Belegschaft sei seit Freitag informiert. "Vermutlich ist weniger als eine Drittel der Mitarbeiter betroffen", betont Sczesny. Es gelte, die Entwicklung zu beobachten und zu reagieren. "Continental wird selbstredend alle Möglichkeiten einer vorzeitigen Beendigung nutzen", skizziert Sczesny das weitere Vorgehen.

"Die Weichen sind gestellt, ob die Kurzarbeit tatsächlich kommt, wird sich zeigen", hofft Michael Ruhkopf, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall, dass die Konjunktur auf dem Markt für Nutzfahrzeuge anzieht. Die IG Metall und der Betriebsrat seien mit im Boot, um Lösungen zu finden. In enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung gelte es, diese schwierige Phase zu überwinden, stellt der Betriebsratsvorsitzende Robert Brucker fest. Es sei schon einmal gelungen, Continental aus der Krise zu führen, Schulden abzubauen und erfolgreich durchzustarten. Doch seit Mitte 2012 sei es immer schwieriger gewesen, Aufträge zu erhalten. Die Entwicklung auf dem europäischen Markt habe sich voll auf den Umsatz durchgeschlagen.

Die Mitarbeiter hätten in den vergangenen Wochen selbst gesehen, dass die Produktion zurückgeht. Nun sei es an jedem Abteilungsleiter, die für die Aufträge erforderliche Zahl an Beschäftigten zu berechnen. Frühestens nach der Fastnacht komme es zur Kurzarbeit. Geplant sei, im Februar und März von Woche zu Woche zu planen und so schnell wie möglich zur Normalität zurückzukehren. Botschaft an die Mitarbeiter sei es, offen mit den Problemen umzugehen und diese nicht hochzuspielen.