
VS-Villingen (bs). Visionäre Projekte wurden jetzt im Café Sorglos sorglos diskutiert. Die Mitglieder bieten der Stadt Dienstleistungen ähnlich dem Ehrenamt an.
Seit April befindet sich das Café in der offiziellen Gründungsphase und wird schon bald als Verein mit eigener Satzung gelistet sein. Ziel der Initiative ist es, das fachliche und menschliche Potenzial der etwa 3000 zum Teil hoch qualifizierten Harz IV-Empfänger im Kreis für die Gemeinschaft nutzbar zu machen und den arbeitsuchenden Menschen anspruchsvolle Tätigkeiten zu bieten, die einen Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt ermöglichen. Dazu sind bereits Projekte in Planung, für die engagierten Mitglieder nun bei Oberbürgermeister Rupert Kubon politisches und fachliches Gehör suchen.
Die Initiative schlägt vor, dass ALGII-Empfänger freiwillige Arbeit für die Stadt leisten, um ihre brachliegenden Fähigkeiten in Wert zu setzen, gegen ein Entgelt das deren Unkosten abdeckt, ähnlich dem Ehrenamt. Doch wo ein politischer Wille existiert, gilt es zunächst adminitstrative Hindernisse zu überwinden. Bis jetzt sieht Kubon vor allem Klärungsbedarf bei der Unfall- und Sozialversicherung der Freiwilligen. Er werde das Gespräch mit der Leiterin der Arbeitsagentur suchen, versprach er, um zu klären, inwieweit an die rechtliche Praxis aus der Zeit der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen angeknüpft werden könne.
Wer Betätigungsfelder für Bezieher von Arbeitslosengeld II schaffen wolle, bewege sich in einer rechtlichen Grauzone, gab Kubon zu bedenken, denn es dürfe sich nicht um Arbeit handeln, für die man offizielle Arbeitsstellen schaffen müsste. Es könne sich daher nur um nicht vorgesehene Dienste handeln. Kubon will hier auf Erfahrungen in der Ausbildung von Bürgermentoren setzen, allerdings dürften entsprechende Initiativen nicht auf Kosten des Ehrenamts gehen.
Uli Manz, betreuender Sozialpädagoge beim Café Sorglos, meinte dagegen, bei der Agentur für Arbeit inzwischen "nervöse Angespanntheit", zu bemerken, da mehr Nachfrage nach Ein-Euro-Jobs bestehe als Angebote.
Er brachte das "Gwinner"-Projekt für Vereine ins Gespräch – ein Austausch von Waren und Dienstleistungen auf Basis von Gutscheinen, einer Regionalwährung also, deren Wert an den Euro rückgebunden ist. Arbeitsuchende könnten mit Dienstleistungen für Vereinene Gutscheine erwerben, so Manz, und mit diesen einen Teil ihrer Strom- und Gasrechnungen bei den Stadtwerken begleichen.