Villingen-Schwenningen Beifall: "S’Male isch wieder da"

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Zahlreiche Villinger Bürger, die die Breite Mühle noch kannten, waren bei der Enthüllung des restaurierten "Male" dabei. Fotos: Heinig Foto: Schwarzwälder-Bote

"S’Male isch wieder da!" – die Villinger, denen der einzige verbliebene Rest der einstigen "Breiten Mühle" ans Herz gewachsen ist, können aufatmen: Das kleine Holzmännchen sitzt wieder in seiner ­Nische – schöner und strahlender als je zuvor.

VS-Villingen. Um "s’Male" nach seiner Restaurierung durch den Villinger Malermeister Edgar Baumann zu begrüßen, hatten sich zahlreiche Schaulustige in der Pontarlierstraße 9 eingefunden. Hier stand einmal die Breite Mühle mit dem Pfeife rauchenden Holzmännchen unter dem Giebel, und hier hat heute die Baugenossenschaft "Familienheim"" ihre Geschäftsstelle. Sie hat die Patenschaft für die Holzfigur und damit seine Pflege übernommen.

"Ich war erstaunt, welche Aufmerksamkeit der kleine Kerl in der Bevölkerung genießt", sagt Familienheim-Geschäftsführer Sebastian ­Merkle, dessen verstorbenen Vater Klaus sich schon um den "Beschützer" der Breiten Mühle kümmerte und 1997 auch eine Gedenktafel initiierte, die bis heute an das einstige "Handel- und Dienstleistungszentrum" erinnert.

Unter dem breiten und mächtigen Dach gab es das "Reuter Lädele", den letzten Tante-Emma-Laden der Stadt, in dem die Werktätigen, die "Kienzleaner" und "Sabanesen" ihr Vesper kauften, das Milchgeschäft Allgaier und den Instrumentenmacher ­Ebner. Auch das Möbelhaus Hölzle hatte dort seine ersten Geschäfts- und Werkstatt­räume.

Im Besitz der Rieggers

Der Name "Breite Mühle" findet sich erstmals in einer Urkunde des Villinger Spitalarchivs aus dem Jahre 1630. Ab 1815 war die Mühle im Besitz der Villinger Großfamilie Riegger. Die Geschichte des "Male" kann man bis ins Jahr 1862 zurückverfolgen. Im Jahre 1900 wurde es schon einmal wiederhergerichtet, Arme und Beine teilweise erneuert.

Jetzt ist es erneut einer Frischekur unterzogen worden. Alt-Dekan Kurt Müller, seit 40 Jahren im Aufsichtsrat der Familienheim, enthüllte den Zwerg mit der langen Geschichte zusammen mit ­Sebastian Merkle und Erwin Neumann, einer der ersten Bewohner des Neubaus. 1969 verkaufte die letzte Eigentümerin, die damals 84-jährige Johanna Riegger, die Mühle an die Baugenossenschaft Familienheim. 1972 wurde sie abgerissen und das heutige mehrstöckige Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Das "Male" fand in der Fassade ein neues, überdachtes Zuhause an der Nordseite.

Um die geschichtliche Bedeutung ihres Standortes zu bewahren, hat die "Familienheim" gerade ein Mitmachprogramm kreiert, das genau diesen Namen trägt: Breite Mühle. "Warum etwas Neues erfinden, wenn es etwas Gutes schon gibt?" habe man sich gefragt, sagt Merkle.

Im Tagungsraum der Baugenossenschaft finden Seminare, Kurse, Vorträge und Ausstellungen statt. Am Donnerstag stellten Handarbeitskünstlerinnen der Region aus, am kommenden Montag findet ab 16.30 Uhr ein kostenloses Bewerbertraining für Jugendliche statt (Anmeldungen unter renner@bgfh.de sind noch möglich) und am 29. September um 17.30 Uhr ein Erinnerungsabend an die Breite Mühle und ihr "Male" mit Alt-Dekan Kurt Müller.

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