
Villingen-Schwenningen (bn). Den europäischen Protesttag der Menschen mit Behinderung am gestrigen 5. Mai nutzte die Behindertenbeauftragte von Stadt und Kreis, Christa Lörcher, um zusammen mit gehandicapten Menschen der Frage nachzugehen: "Einkaufen – wie geht das?" Drei Ladengeschäfte in der Villinger Innenstadt hatte sich die zwölfköpfige Gruppe von Seh- und Hörbehinderten sowie Rollstuhlfahrern ausgesucht.
Erfreulich war für die Testeinkäufer, dass ihnen überall freundlich und bereitwillig geholfen wurde. In den Märkten Netto und Schlecker fehlte es dafür jedoch an Personal, außerdem gab es für die Rollstuhlfahrer durch Drehkreuze und Schranken am Eingang kein eigenständiges Durchkommen. Als "Tagessieger" stellte sich der dm-Markt heraus. Dort herrsche eine "ausgesprochen angenehme und ruhige Atmosphäre", urteilte die blinde Inge Fromme aus Villingen.
Beim Fazit im Franziskaner-Café wurde deutlich, dass die Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen nicht nur beim Personal, sondern auch in der Bevölkerung eine zunehmende Hilfsbereitschaft feststellen. Allerdings wünschen sie sich, dass sie gefragt werden, ob und vor allem wie man ihnen helfen kann. "Ich mag es nicht, wenn mich plötzlich jemand einfach schiebt", sagt Rollstuhlfahrerin Heike Haug.
Als Dauerärgernis gilt die Belegung der Behindertenparkplätze durch Unbefugte. Manfred Kempter aus Grüningen braucht neben seinem zwei Meter breiten VW-Bus noch einen Meter Platz, um sich und seine Frau samt Rollstuhl aus dem Wagen bugsieren zu können. Kempter ist überzeugt, dass permanente Aufklärung darüber, warum es extra breite Sonderparkplätze geben muss, helfen kann, diese frei zu halten.
Für den hörgeschädigten Werner Schaumann bedeutet beim Einkaufen die Dauerberieselung von Musik, Durchsagen und Bildschirmpräsentationen unangenehmen Stress.
Grundsätzlich, so wurde gestern auch klar, ist man in Sachen behindertengerechtes Einkaufen auf einem guten Weg. Dass Geschäfte in einer Altstadt wie Villingen nicht überall barrierefrei gestaltet werden können, wird eingesehen. Brunhilde Labor besucht in ihrem Rollstuhl deshalb am liebsten ihre Stammgeschäfte, wo man sie kennt und "zum Helfen herauskommt, wenn ich ans Fenster klopfe".