Villingen-Schwenningen Ärztepfusch-Vorwürfe: Facharzt praktiziert derzeit nicht

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Villingen-Schwenningen - Erst fehlt das Praxisschild und jetzt offensichtlich die gesamte Praxis. Jener Facharzt aus der Region, gegen den weit über 20 Strafanzeigen vorliegen, praktiziert derzeit nicht. Er lässt sich vertreten.

Es ist seit geraumer Zeit das gleiche Spiel. Wer den Festnetzanschluss des Arztes wählt, wird seit Monaten auf eine Vertretung verwiesen. Seit kurzer Zeit fehlt der Hinweis ganz, der Anrufer wird gleich an die "Vertretungspraxis" in der Region weitergeleitet. Eigentlich recht ungewöhnlich.

Doch die Frage danach, wie lange man noch den anderen Facharzt vertrete, bleibt unbeantwortet. "Das wissen wir nicht", hieß es am anderen Ende der Leitung. Auch Arndt Breuning, Sprecher des betreffenden Fachärzteverbandes für die Region, macht keine näheren Angaben. Nach Auskunft der Anwälte des Mediziners lässt sich dieser derzeit vertreten. Dies stehe nicht in Zusammenhang mit den staatsanwaltlichen Ermittlungen. Es geschehe aus gesundheitlichen Gründen.

Der Mediziner steht, wie bereits mehrfach berichtet, seit bald einem Jahr im Fokus von Ermittlungen der Konstanzer Staatsanwaltschaft. Nach Angaben von Andreas Mathy, Sprecher der Staatsanwaltschaft, liegen mittlerweile weit über 20 Strafanzeigen vor. Bis zum Juni will der vom Gericht beauftragte Gutachter seine Expertise abgeschlossen haben, schätzt Mathy.

Gutachter will im Juni Expertise vorlegen

Das Verfahren ziehe sich deshalb auch in die Länge, weil noch weitere ehemalige Patienten des Facharztes befragt werden mussten. Doch eines kann Mathy schon jetzt sagen: "So etwas ist bei uns nicht an der Tagesordnung." Ärztliche Kunstfehler, erwähnt er, werden im Allgemeinen nicht gesondert erfasst, sondern laufen unter dem Delikt Körperverletzung.

Der Vorwurf gegen den nie-dergelassenen Mediziner: Dem Mann wird von ehemali-gen Patienten Pfusch vorge-worfen. Mal soll er unnötige Operationen vorgenommen haben, mal soll er durch seine OPs Menschen "massiv geschädigt" haben. Vereinzelt sei im Anschluss an die Eingriffe eine Rekonstruierung der Nase nötig gewesen. Der Fall schlug vor allem auch im Internet hohe Wellen. Immer wieder meldeten sich bei unserer Zeitung frühere Patienten, die sich durch die Eingriffe beeinträchtigt sahen: Nun steht der Begriff der Körperverletzung im Raum. Doch der Arzt bestreitet die Vorwürfe.

Ins Rollen gebracht hatte die ganze Pfusch-Lawine eine ältere frühere Patientin. Indes scheint es so, als ob der Strom klagewilliger Ex-Patienten nicht abreißen wird. Erst vor wenigen Tagen meldete sich in der Redaktion ein jüngerer Unternehmer, der seinem ehemaligen Arzt vorwirft, "meine Nase völlig umsonst operiert zu haben". Schildert der Mann aus VS seine Erleb-nisse in der Praxis des mehrfach angezeigten Mannes, dann hat der Zuhörer ein wei-teres Déja-vue.

Allergische Reaktion: Diagnose schockiert

Ja, auch bei ihm sei es um eine "Verkrümmung der Nasenscheidewand" gegangen. Zur Begradigung habe man ihm eine Operation vorgeschlagen. Er habe eingewilligt, "zumal ich seit geraumer Zeit unter einer verstopften Nase litt". Die Operation kam, doch die Beschwerden seien geblieben, erzählt der Unternehmer. Der Mann wollte den Arzt nochmals kontaktieren, "denn meine Nase war nach wie vor verstopft". Doch dann habe er mitbekommen, dass der Mann nicht mehr praktiziere. So kontaktierte er einen einen anderen Facharzt aus der Region. "Und dessen Diagnose hat mich schockiert."

Die Operation sei zum einen unnötig gewesen, andererseits habe der Mediziner mehr aus der Nase entfernt als nötig. In dem Diagnose-Brief an den Hausarzt spricht der zweite von ihm konsultierte Facharzt von einer "Nasendeformität" durch einen "Eingriff". Und noch Weiteres steht in dem kleinen, aber aussagekräftigen Brief zum Thema Befund des zweiten Fachmediziners: "Fehlende Nasenspitzenprotektion, absinkende Nasenspitze...." In dieser Praxis bekommt der Mittdreißiger aus dem Oberzentrum dann die Ursache für seine ständig verstopfte Nase genannt: "Das war lediglich die Folge einer allergischen Reaktion." Für ihn war diese Aussage ein "weiterer Schock". Sein nächster Schritt: "Auch ich werde Strafanzeige stellen", kündigt er an.

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