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Villingen-Schwenningen 9800 Menschen in Grafeneck ermordet

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Gabriel Richter ist der NS-Euthanasie auf der Spur und gilt als profunder Kenner der Materie. Der Chefarzt für Geronto- und Neuropsychiatrie eröffnet die Vortragsreihe im Landratsamt zur Ausstellung. Foto: Hahnel Foto: Schwarzwälder-Bote

Schwarzwald-Baar-Kreis. Aus dem Gebiet des heutigen Schwarzwald-Baar-Kreises wurden laut bisherigen Recherchen mindestens 170 Menschen Opfer der "Euthanasie"- – Morde im Dritten Reich. Die themenbezogene Ausstellung im Landratsamt informiert und sorgt für Beklemmung, der Mediziner Gabriel Richter eröffnete nun die Vortragsreihe.

In Baden wurden die Weichen Richtung "Gnadentod" und Zwangssterilisation recht häufig gestellt, die damalige Geisinger "Kreispflegeanstalt" war ein Dreh- und Angelpunkt. Getötet wurde dort zwar nicht, sehr wohl aber nahm man vor Ort Sterilisationen vor. 1940/41 kam es zu drei von Geisingen ausgehenden Deportationen, die Südwest-Deutschland abdeckende "Tötungsanstalt" stand in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb, in deren Gaskammer kamen 9800 Menschen ums Leben.

Gabriel Richter ist federführend im Reichenauer Zentrum für Psychiatrie tätig und recherchiert die Euthanasie-Geschichte seit fast 40 Jahren, im Foyer des Landratsamts fand er aufmerksame und nicht selten die Köpfe senkende Zuhörer. "Die Anstaltsdirektoren leisteten keinen Widerstand! Das habe ich herausbekommen, das ist zu dokumentieren und darauf bin ich schon etwas stolz", gab der Referent Einblick in seine Arbeit. Schon vor dem Nationalsozialismus waren behinderte Menschen vom "Gnadentod" bedroht und Euthanasie gab es nicht nur in Deutschland. "Während der NS-Zeit wurde jedoch alles forciert und bezüglich der Zwangssterilisationen setzte sich Nazi-Deutschland mit 300 000 Fällen quasi an die Spitze", so Richter.

Die Geschichte der Euthanasie ist noch nicht zu Ende geschrieben und auch für Gabriel Richter ergeben sich nach wie vor Fragezeichen: "Wir wissen, dass es im Nationalsozialismus auch zur Sterilisation Minderjähriger und selbst 80-jähriger Männer kam. Was wir noch nicht wissen ist, wie man sich seinerzeit in den Altersheimen und Gefängnissen verhielt." Und wieder war man im Landratsamt hellhöriger, wieder senkte sich anschließend mancher Kopf. Die von vier Vorträgen begleitete Ausstellung "NS-Euthanasie-Verbrechen" ist hochinteressant, muss aber auch ausgehalten werden.

Den nächsten und um 19 Uhr beginnenden Vortragsabend bestreitet Johannes Daun als Vorsitzender Richter am Landgericht Waldshut-Tiengen am Montag, 20. März. Sein Thema, ebenfalls im Foyer des Landratsamts: "Die badische Justiz im Dritten Reich".

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Kreisverwaltung zugänglich, die nächste Führung findet am Sonntag, 19. März, ab 14 Uhr sowie nach telefonischer Voranmeldung statt. Auf Anfrage sind Termine für Sonderführungen möglich.

 
 

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Cornelia Spitz

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