Villingen-Schwenningen - Das Telefon klingelt hier eigentlich ständig. 70 bis 80 Mal pro Tag, wählen Menschen im Schwarzwald-Baar-Kreis die Notrufnummer 110. Am anderen Ende: die Polizei in Villingen, deren Mitarbeiter im Wachdienst in dieser Funktion schon mal zum Lebensretter werden können.

Der Raum ist unscheinbar. Computer stehen dort und Telefone, Alarmanlagen werden hier überwacht, und ein bis zwei Polizisten tun ständig Dienst. So unscheinbar das aussieht, so bedeutend ist, was hier geschieht: Hilfeleistung in Notfällen. Und das kann mehr bedeuten, als die Weiterschaltung an das DRK oder die Feuerwehr.

Im Fall des 62-jährigen Villingers Volker Benedikt war es eine Hilfeleistung, die ihm das Leben rettete. Am anderen Ende saß zur Mittagszeit an diesem 16. April 2012 der Polizist und Notrufsachbearbeiter Volker Schurr. Volker Benedikt, ohnehin anfällig an den Bronchien, war morgens beim Arzt gewesen. In diesem Frühjahr hatte er "zum zweiten Mal Antibiotikum verschrieben bekommen, und zum x-ten Mal" in seinem Leben genau das Präparat, das er eigentlich gut vertrug. Als wirklicher Allergiker verstand er sich nicht, schildert er sein Empfinden heute. Doch an diesem Montag war alles anders. "Ich rührte mir noch was zum Essen", da fühlte er sich "plötzlich schlecht". Sehstörungen – "trotz Brille wurde alles unklar". Sein Zustand habe sich rasant verschlechtert. So sehr, dass er zum Telefon gegriffen und die 110 gewählt habe. Zu Schurr am anderen Ende sagte er: "Ich habe das Gefühl, ich breche demnächst zusammen, und es ist niemand zu Hause."

Wie kompetent am anderen Ende reagiert wurde, war ihm erst später bewusst. "Der Polizist nahm das Heft in die Hand", er habe das DRK und den Notarzt alarmiert, ihn befragt, wie die Helfer ins Haus gelangen könnten, und ihn dann wegen der automatisch schließenden Haustüre gebeten, vorsichtshalber die Balkontüre zu öffnen. "Ich habe versucht, ihn so lange am Telefon zu halten, bis das DRK da ist", erzählt Schurr – dieses alarmierte er telefonisch, während er Benedikt an der Notrufleitung hielt. Nach "höchstens zehn Minuten" seien das DRK und eine Notärztin eingetroffen. Benedikt wurden Zugänge gelegt, sein Blutdruck sei schon nicht mehr messbar gewesen, als er am Ende in Ohnmacht fiel und ins Schwenninger Krankenhaus gebracht wurde. Die Diagnose: ein anaphylaktischer Schock, die schwerste Form einer allergischen Reaktion, die tödlich sein kann.

Heute, nach eintägigem Klinikaufenthalt, einem Allergietest bei stationärer Aufnahme im Krankenhaus und intensiver Ursachenforschung ist klar: Eine Allergie auf Penizillin hat den allergischen Schock ausgelöst.

Thomas Behringer, Notdienstleiter beim DRK VS, weiß, wie akut das sein kann: "Wenn so etwas erkennbar ist, muss man sofort einen Notruf absetzen, weil es lebensbedrohlich sein kann."

Für Volker Benedikt ging alles gut – auch wenn die Nachwirkungen mental noch manchmal spürbar sind, gerade jetzt, zur Erkältungszeit.