Villingen-Schwenningen 110 – Lebensretter handelt beherzt
Cornelia Spitz, 15.11.2012 05:17 Uhr
Wenn Hilfesuchende im Landkreis die 110 wählen, landen sie bei der Polizei in Villingen. Da wird ihnen geholfen.Foto: Seeger
Villingen-Schwenningen - Das Telefon klingelt hier eigentlich ständig. 70 bis 80 Mal pro Tag, wählen Menschen im Schwarzwald-Baar-Kreis die Notrufnummer 110. Am anderen Ende: die Polizei in Villingen, deren Mitarbeiter im Wachdienst in dieser Funktion schon mal zum Lebensretter werden können.
Der Raum ist unscheinbar. Computer stehen dort und Telefone, Alarmanlagen werden hier überwacht, und ein bis zwei Polizisten tun ständig Dienst. So unscheinbar das aussieht, so bedeutend ist, was hier geschieht: Hilfeleistung in Notfällen. Und das kann mehr bedeuten, als die Weiterschaltung an das DRK oder die Feuerwehr.
Im Fall des 62-jährigen Villingers Volker Benedikt war es eine Hilfeleistung, die ihm das Leben rettete. Am anderen Ende saß zur Mittagszeit an diesem 16. April 2012 der Polizist und Notrufsachbearbeiter Volker Schurr. Volker Benedikt, ohnehin anfällig an den Bronchien, war morgens beim Arzt gewesen. In diesem Frühjahr hatte er "zum zweiten Mal Antibiotikum verschrieben bekommen, und zum x-ten Mal" in seinem Leben genau das Präparat, das er eigentlich gut vertrug. Als wirklicher Allergiker verstand er sich nicht, schildert er sein Empfinden heute. Doch an diesem Montag war alles anders. "Ich rührte mir noch was zum Essen", da fühlte er sich "plötzlich schlecht". Sehstörungen – "trotz Brille wurde alles unklar". Sein Zustand habe sich rasant verschlechtert. So sehr, dass er zum Telefon gegriffen und die 110 gewählt habe. Zu Schurr am anderen Ende sagte er: "Ich habe das Gefühl, ich breche demnächst zusammen, und es ist niemand zu Hause."
Wie kompetent am anderen Ende reagiert wurde, war ihm erst später bewusst. "Der Polizist nahm das Heft in die Hand", er habe das DRK und den Notarzt alarmiert, ihn befragt, wie die Helfer ins Haus gelangen könnten, und ihn dann wegen der automatisch schließenden Haustüre gebeten, vorsichtshalber die Balkontüre zu öffnen. "Ich habe versucht, ihn so lange am Telefon zu halten, bis das DRK da ist", erzählt Schurr – dieses alarmierte er telefonisch, während er Benedikt an der Notrufleitung hielt. Nach "höchstens zehn Minuten" seien das DRK und eine Notärztin eingetroffen. Benedikt wurden Zugänge gelegt, sein Blutdruck sei schon nicht mehr messbar gewesen, als er am Ende in Ohnmacht fiel und ins Schwenninger Krankenhaus gebracht wurde. Die Diagnose: ein anaphylaktischer Schock, die schwerste Form einer allergischen Reaktion, die tödlich sein kann.
Heute, nach eintägigem Klinikaufenthalt, einem Allergietest bei stationärer Aufnahme im Krankenhaus und intensiver Ursachenforschung ist klar: Eine Allergie auf Penizillin hat den allergischen Schock ausgelöst.
Thomas Behringer, Notdienstleiter beim DRK VS, weiß, wie akut das sein kann: "Wenn so etwas erkennbar ist, muss man sofort einen Notruf absetzen, weil es lebensbedrohlich sein kann."
Für Volker Benedikt ging alles gut – auch wenn die Nachwirkungen mental noch manchmal spürbar sind, gerade jetzt, zur Erkältungszeit.



Aufregung
Ich verstehe die Aufregung nicht. Für Leitstellendisponenten und Rettungsdienstpersonal ist das der Alltag. Ungewöhnlich vielleicht, dass der Herr die 110 anstatt die 112 gewählt hat. Aber ist es ein Seite 1 Artikel wert, weil der Polizist vorbildlich reagiert hat? Eine Weiterleitung zur Rettungsleitstelle hätte maximal 30 Sekunden in Anspruch genommen, die dem Herren wohl nicht das Leben gekostet hätten. Abschließend sei noch gesagt. Ich will hier keineswegs den Ablauf schlecht reden. Ich verstehe nur nicht, warum das, was passiert ist einen Artikel wert ist.
110-Lebensretter handelt beherzt
Auch wenn ich mich für Herrn Benedikt sehr freue, damit er dieses dramatische Ereignis unbeschadet überstanden hat, wundere ich mich doch, warum ein solcher Artikel erscheint. Auch wenn der Notrufsachbearbeiter der Polizei sehr vorbildlich gehandelt hat, sollte man eine solche Reaktion doch auch von ihm erwarten dürfen, es ist schließlich Alltag, dass Notrufe eingehen. Im übrigen vermisse ich den Hinweis, dass medizinische Notrufe direkt über die 1 1 2 getätigt werden sollten, da so der Notruf direkt in einer Integrierten Rettungsleitstelle aufläuft und die Vermitllungszeit und evtl. aufkommende Verständigungsprobleme wegfallen.