
Stuttgart - Einst sollte er den Nachfolger für den zum FC Bayern abgewanderten Mario Gomez geben, am Ende seiner Zeit beim VfB Stuttgart gehörte Pawel Pogrebnjak nicht einmal mehr zum Kader des Fußball-Bundesligisten. Und so kam es kurz vor Ende der Transferperiode am Dienstag doch noch zum Abschied des russischen Angreifers aus Stuttgart. Pawel Pogrebnjak wechselt für knapp eine Million Euro Ablöse zum englischen Premier-League-Club FC Fulham.
Der Entschluss, den Club zu verlassen, reifte schon länger beim in Moskau geborenen Stürmer. Am vergangenen Sonntag beschleunigte sich dann die Entscheidungsfindung. Für das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach berief Trainer Bruno Labbadia den Angreifer nicht einmal mehr in den 18-köpfigen Kader. Pogrebnjak saß auf der Tribüne, und es wurde augenscheinlich, was längst klar war: Der 28-Jährige hat in Stuttgart keine sportliche Perspektive mehr. „Sein Vertrag wäre im Sommer ausgelaufen und ohnehin nicht verlängert worden“, bestätigt VfB-Sportdirektor Fredi Bobic, der mit der Verpflichtung von Vedad Ibisevic bereits ein weiteres Signal gesetzt hatte.
„Das ist nicht mein Stil.“
Pogrebnjak macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl und sagt: „Ich bin enttäuscht, wie die letzten Wochen hier abgelaufen sind. Ich musste sehr viele Aussagen über mich lesen, aus denen klar hervorging, dass man mich hier nicht mehr haben will.“ Zwar habe er Verständnis dafür, dass der Verein anders plant, „aber ich finde es schade, dass man zu wenig miteinander gesprochen hat“. Von Medienberichten, wonach er den VfB-Bossen vorwirft, sie hätten sich ihm gegenüber „wie Schweine“ benommen, distanzierte er sich jedoch: „Das ist nicht mein Stil.“
Am Montag hatte der Russe bereits im Training gefehlt, um den Transfer voranzubringen, am Dienstag ging der Wechsel vollends über die Bühne. „Das ist die beste Lösung für beide Seiten“, sagt Bobic, „für Pawel ist es eine neue Chance, in einem anderen Verein Fuß zu fassen.“
68 Bundesligapartien, 15 Treffer
Im Sommer 2009 war Pogrebnjak für fast fünf Millionen Euro von Zenit St. Petersburg zu den Roten gewechselt, die einen Nachfolger für Mario Gomez suchten. Die Bilanz in zweieinhalb Jahren beim VfB liest sich aber eher bescheiden: In 68 Bundesligapartien erzielte er 15 Treffer. Seine physische Stärke konnte der 1,88 Meter große Angreifer zu selten in eine erfolgreiche Spielweise umsetzen, technische Mängel waren offensichtlich. „Sportliche Gründe“, nennt Bobic denn auch als ausschlaggebend für die jetzige Trennung. Allerdings bekam Pogrebnjak auch nie die Chance, sich über einen längeren Zeitraum beweisen zu dürfen. Im System mit einem Stürmer, das der VfB zuletzt meist praktizierte, hatte Cacau – ob berechtigt, oder nicht – stets die Nase vorn. Und dass Labbadia nun auf eine Grundordnung mit zwei Stürmern umstellte, zählte für Pogrebnjak nichts mehr – Ibisevic bekam nach seinem Wechsel aus Hoffenheim zum VfB eine Einsatzgarantie. Für den Russen gab es im Grunde also keine Alternative mehr, als sich nach einem neuen Verein umzuschauen, schließlich will er im Sommer zum Kader der russischen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft gehören – was als Bankdrücker schwer ist.
Beim FC Fulham, der auch an BVB-Stürmer Lucas Barrios interessiert war, muss sich Pawel Pogrebnjak aber ebenfalls dem Konkurrenzkampf stellen. Im Kader des derzeit Zwölften der Premier League stehen bereits fünf Stürmer.
Der VfB Stuttgart dagegen baut nun auf das Trio Cacau, Vedad Ibisevic und Julian Schieber. Dazu kommen die Außenstürmer Martin Harnik und Shinji Okazaki sowie Nachwuchsmann Christoph Hemlein. Sportlich sieht man sich bei den Roten damit ausreichend gerüstet – wirtschaftlich ist Pogrebnjaks Weggang ohnehin ein Gewinn. Der Russe gehörte zu den Topverdienern auf dem Wasen und hat knapp über drei Millionen Euro im Jahr kassiert.
Der VfB gehört zu den besten zehn Fußball-Vereinen in Europa – was die Zuschauerzahlen betrifft.
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