Stuttgart - Bruno Labbadia ist ein Mensch, der sich ständig mit Fußball beschäftigt. Auch morgens im Bad. Am Mittwoch also stand er vor dem Spiegel und fragte sich, warum auch beim Spiel gegen den KRC Genk so viele Plätze in der Mercedes-Benz-Arena leer bleiben werden. Wo doch die Europa League das ist, worauf er und sein Team sich so freuen. Eine Antwort darauf fand er nicht. Er erinnerte sich aber an ein Uefa-Cup-Spiel des VfB im Dezember 2008. Damals, beim 3:0 gegen Standard Lüttich, sagt er, sei das Stadion auch halb leer gewesen. „Das hat also nicht nur mit der sportlichen Situation zu tun“, vermutet er. 28 000 waren es damals. Dieses Mal werden es aber noch viel weniger sein. Nur etwa 15 000, schätzen die Verantwortlichen, werden das Spiel gegen den belgischen Erstligisten an diesem Donnerstag (21.05 Uhr/Sky) live im Stadion verfolgen. Davon kommen 4000 aus Genk.

Georg Niedermeier sieht durchaus einen Zusammenhang mit der derzeitigen Situation beim VfB. „Wir sind selbst schuld, dass so wenige Zuschauer ins Stadion kommen“, sagt er im Hinblick auf die Niederlagenserie in der Bundesliga. Der Innenverteidiger hofft nun, die daheimgebliebenen Anhänger mit einer starken Leistung und einem Sieg gegen den KRC zu überzeugen, beim nächsten Mal doch wieder ins Stadion zu pilgern.

Damit es dieses nächste Mal in der Europa League noch in dieser Saison gibt, muss sich der VfB im Heimspiel eine gute Ausgangssituation für das Rückspiel im „Hexenkessel von Genk“ (Labbadia) erarbeiten. Und dafür gilt: individuelle Fehler, wie sie in den vergangenen Ligaspielen zuhauf passiert sind, sind heute verboten. „Gegen Genk ist volle Konzentration angesagt“, fordert Bruno Labbadia. Nach der Niederlage gegen Bremen (1:4) waren in dieser Trainingswoche auch die psychologischen Fähigkeiten des Trainers gefragt. Viele intensive Gespräche habe es gegeben. Mal klärende, mal aufbauende. Dazu Videoanalysen der vergangenen Partien. „Es bringt aber nichts nachzukarten, jetzt gilt es nur, wieder in die Spur zu kommen“, sagt er.

Die Personalsituation macht dieses Vorhaben nicht leichter. Labbadia bangt um den Einsatz von Christian Gentner, bei dem sich nach einem Schlag auf das Schienbein im Bremen-Spiel eine Blutablagerung gebildet hat. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist sein Einsatz eher fraglich“, sagt Labbadia. „Aber wir haben Hoffnung.“ Falls der Mittelfeldspieler ausfällt, müsste der Trainer improvisieren. „Einen richtigen Defensiven haben wir eigentlich nicht mehr“, sagt er. Alternativen wären Neuzugang Alexandru Maxim oder Nachwuchsmann Rani Khedira. Auch eine Systemumstellung mit William Kvist als alleinigem Sechser wäre denkbar. Daniel Didavi wird dem VfB an diesem Donnerstag indes auf jeden Fall fehlen. Sein Knie hat nach dem Training erneut geschmerzt.

Didavis Teamkollegen haben nun die schwere Aufgabe, den selbstbewussten KRC Genk zu stoppen – und die Fans zu begeistern. Nicht nur die wenigen, die sich das Spiel live im Stadion anschauen.