Stuttgart - Es ist nicht die reine Lehre. Angeblich kann man sein Herz ja nur an einen Fußballklub vergeben. So richtig passen der VfB und der FC Bayern nicht zusammen. Aber es ist eine Kombination, die der Gesundheit der Seele dient. Da halten sich Frust und Freude die Waage. Der Grüne Fritz Kuhn muss als Stuttgarter OB ja nicht nur hoffen, dass Porsche und Daimler möglichst viele Autos verkaufen, sondern auch noch mitansehen wie die Bahn Stuttgart 21 baut. Da kann man ehrlicherweise nicht auch noch von ihm verlangen, am VfB zu leiden. Zumal Kuhn berufsbedingt ja auch noch mit den Kickers mitfiebern soll. Da hilft es schon, sich an Bayern-Siegen erfreuen zu können. Entertainer Harald Schmidt macht es vor: Er ist Mitglied beim FC Bayern und beim VfB Stuttgart. Er schätzt in München „das schönste Fußballstadion der Welt“ und beim VfB „die Sparsamkeit“.

Das wird Finanzvorstand Ulrich Ruf freuen. Er war mit Mäuser und Stefan Heim, dem Direktor Mitglieder- und Fanservice, zum Antrittsbesuch ins Rathaus gekommen. Es war jedoch nicht das erste Treffen. Man kannte sich bereits. Im Dezember war Kuhn beim Achtelfinalspiel des VfB gegen den 1.FC Köln in der Mercedes-Benz-Arena. Der VfB gewann 2:1. Wie übrigens immer, wenn Kuhn live den VfB im Stadion betrachtete. Vielleicht sollte der Verein ihm eine Dauerkarte spendieren. Aber stimmt, da war ja die Sache mit der Sparsamkeit.

Deshalb gab’s am Dienstag ein Fritzle für den Fritz. Das VfB-Maskottchen als Stofftier hatte Mäuser als Präsent dabei. Allemal besser als ein Zinnteller. Und ein Trikot hat Kuhn ja schon. Das hat ihm der VfB beim Spiel gegen Köln überreicht. Mit der Nummer eins auf dem Rücken. Das ließ Kuhn allerdings im Schrank, standesgemäß trug er einen Anzug. Auch wenn man naturgemäß über Fußball fachsimpelte. So ließ sich Kuhn das geplante Jugendzentrum des VfB erläutern, man streifte das aktuelle Geschehen und mögliche EM-Spiele in der Mercedes-Benz-Arena. 2020 werden die Spiele in ganz Europa ausgetragen, jedes Land kann sich mit einer Stadt bewerben. Und der Deutsche Fußball-Bund will sich mit Berlin, München, Dortmund oder Stuttgart bewerben.

Kuhn wäre auch gerne Fußballtrainer geworden

Wahrscheinlich wird der DFB Mitte März Stuttgart aussortieren, dennoch wertete Kuhn die Aufnahme Stuttgarts in den illustren Kreis als „eine echte Anerkennung der Stuttgarter Fankultur und der großartigen Atmosphäre im tollen umgebauten Stadion.“ Wer die Spiele während der Fußball-WM 2006 in Stuttgart erlebt habe, insbesondere das Spiel um Platz drei, wisse um die große Begeisterungsfähigkeit und Fairness des Stuttgarter Publikums.

Kuhn weiß im übrigen wovon er redet. Auch er hat seinen Anteil am Sommermärchen. Erinnert sich noch jemand, welche Hysterie die ganze Nation erfasste als die Nationalmannschaft unter Teamchef Jürgen Klinsmann ein Testspiel vor der WM in Italien mit 1:4 verlor? Manche Politiker wollten Klinsmann vor den Sportausschuss des Bundestags zitieren, er solle die Schlappe erklären. Daraufhin sagte Kuhn: „Wer Klinsi vor den Ausschuss schleifen will, hat nicht alle Tassen im Schrank. Da könnten wir ja gleich im Bundestag über die Aufstellung abstimmen.“

Der „Zeit“ hat Kuhn mal erklärt, er wäre auch gerne Fußballtrainer geworden. „Leider, leider hat mein aufkeimendes Interesse an Schach, an der Frauenfrage und an der Politik meine Karriere an der Pille auf das Niveau eines Kneipenfußballers reduziert. Heute wäre ich ansonsten Trainer. Nicht so ein Teamonkel wie Klinsi, mit mehr Psychos als Bällen. Nein, einer mit taktischer Schläue und Emopower, der ohne sterile Aufgeregtheit die Jungs zur Schale puscht.“

Wenn das keine Bewerbung ist. Also Herr Mäuser, wenn Bruno Labbadia sich mal verändern möchte, dann steht der Nachfolger parat. Das wäre eine Karriere: Erst Stuttgarter OB, dann Meistertrainer.