
Von Albert M. Kraushaar Unterreichenbach. Eigentlich wäre in diesem Jahr beim "Kochen mit Roy Kieferle" an der Tannbergschule in Unterreichenbach etwas mit Kürbissen fällig gewesen. Weil die jedoch nicht so prächtig gewachsen sind, wie es sich die Viertklässler erhofft hatten, gab es Kartoffelpuffer und Apfelmus.Die beiden heimischen Produkte waren in diesem Jahr prächtig gediehen, wobei die Kartoffeln eine ganz besondere Note verdienten. Sie stammen aus dem Garten des Unterreichenbacher Bürgermeisters. Ungespritzt und ohne fremden Dünger, echt Bio, wie Carsten Lachenauer versichert. Jeweils drei Kilogramm Kartoffeln und Äpfel warteten auf die Schüler.
Waschen, schälen, reiben waren die ersten Arbeitsgänge. Beim Umgang mit Messer und den Schälgeräten gab es gleich die richtigen Tipps vom Fachmann. Die erste Erkenntnis: "Alles will irgendwie zuerst gelernt sein." Das fing beim Pflanzen in der dritten Klasse an und ging bis zur Ernte in der vierten Klasse und der Verarbeitung weiter. "Wie ist das denn als Koch, verdient man da auch was?", wollte eines der Kinder wissen. Schmunzelnd stellte Roy Kieferle fest: "Der Beruf Koch lohnt sich, wenn man gut ist."
Kieferle, als Fernseh- und Bundesligakoch weit über die Grenzen hinaus bekannt, ist Mitglied der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Köche und betreibt in Dobel das "Wagner Stüble". Aus seiner Küche hatte er zum Zerkleinern der Äpfel und Kartoffeln eine Maschine mitgebracht, zeigte den Schülern aber auch die traditionelle Apfelreibe. "Die Verletzungsgefahr ist allerdings groß", erklärte Kieferle und zeigte mit dem Fingern auf die vielen scharfen Schneiden.
Nebenbei erfuhren die Jungen und Mädchen, dass "Roy" kein Künstlername ist. "Mein Vater war Amerikaner, daher der Vorname Roy." Auf dem Weg zu Apfelmus und Kartoffelpuffer erläuterte er den Grundschülern den Unterschied von weißem und dunklem Zucker. "Der dunkle ist der Ur-Zucker, der hat mehr Inhaltsstoffe als der weiße", so Kieferle. In der Zwischenzeit begann in den Kesseln das Wasser zu dampfen, und der Herd kam auf Temperatur. Zutaten wie Zimt, Zucker, Ei, Fett und Mehl wurden bereitgestellt, bald nahmen die Puffer Form an. "Wer kennt Kartoffelpuffer und hat sie schon gegessen", fragt Kieferle in die Runde. Die Kommentare waren unterschiedlich: Sie reichten von "unbekannt" über "mag ich nicht" bis "gut".
"Wenn man selbst kocht, muss man aber auch probieren", machte der Koch mit den Fußballknöpfen auf seiner Arbeitsjacke Mut. Mit Erfolg, als erst mal der Duft von frischem Apfelmus durch die Küche zog, versammelten sich alle Helfer am großen Tisch im Vorraum. Und so, wie da zugegriffen wurde, konnte man davon ausgehen, dass anschließend alle ohne Vorurteile nach Hause gingen. Durchaus möglich, dass da in den nächsten Tagen der Speisezettel um ein typisch schwäbisches Gericht erweitert wird.