Über Kunst Der Ermutiger
Nikolai B. Forstbauer, 10.04.2012 15:01 Uhr
Engagiert: Veit Görner als Gast unserer Veranstaltungsreihe „Über Kunst“ in der Stuttgarter Galerie Klaus Gerrit Friese.Foto: Leif Piechowski
Stuttgart - Er muss viele Hände schütteln – und macht das mit der ihm eigenen Intensität. „Klar, das ist ein Heimspiel“, sagt Veit Görner – „aber toll , wer alles da ist“. Heimspiel? Seit 1992 agiert Görner, von 1987 bis 1990 zweiter künstlerischer Leiter des von Ulrich Bernhard gegründeten Stuttgarter Künstlerhauses, als einer derjenigen, die nach draußen gingen. Zunächst als freier Ausstellungsmacher, dann von 1995 bis 2002 als Kurator an dem von einer Stiftung getragenen Kunstmuseum Wolfsburg, seit 2003 schließlich als Direktor der Kestnergesellschaft in Hannover.
Und auch schon 20 Jahre her ist Görners letzter großer Auftritt in der Region Stuttgart – mit Rudi Fuchs, damals Direktor des Stedelijk Museum in Amsterdam, realisierte er, „anlässlich der Olympiabewerbung“, wie Görner betont, in 19 Städten und Gemeinden der Region Stuttgart ein internationales Skulpturenprojekt. „Platzverführung“ war der Titel, und an einem Beispiel aus dem Stuttgarter Stadtteil Heslach macht Görner deutlich, wie konkret dieser Titel gerade seitens der beteiligten Künstler gesehen wurde.
Ermutiger und einer, der diesen noch zusätzlich Rückenwind gibt
Der Schoettle-Platz war seinerzeit gerade landschaftsarchitektonisch aufgehübscht, „dann“, erzählt Görner, „kam Günter Förg „und hat erst einmal einen niedrigen Zaun um das ganze Areal legen lassen“. Nicht nur, um den „Ort zu definieren“, sondern schlicht auch deshalb, „weil dadurch Bälle vom Platz nicht so leicht auf die Straße rollen“. Kunst als Lebenserleichterung? „Das Zweite, was Förg gesehen hat“, sagt Görner weiter, „war, dass da überhaupt keine Bänke standen.“ Also ließ der vor allem als Maler und Objektkünstler bekannte Förg Bänke aufstellen – „aber“, wie Görner betont, „nicht diese Dinger, auf denen man selbst nicht sitzen kann und Obdachlose nicht schlafen können, sondern richtige klassische Parkbänke“.
„Die Ermutiger“, heißt eine Zeile Wolf Biermanns, „brauchen auch Ermutigung“. Veit Görner, 1953 in München geboren, zeigt sich bei „Über Kunst“ in einer Doppelrolle – als Ermutiger und als einer, der diesen noch zusätzlich Rückenwind gibt. Ein wenig überlegt er, wie immer im dunklen Anzug, hellen Hemd und Stiefeletten, als die Rede auf sein Finale im Künstlerhaus kommt. Zu einer „Lehrstunde der Nachtigall“ (nach einem Titel eines Bildes von Philipp Otto Runge) lud Görner. Doch nicht ins Künstlerhaus, sondern in die seinerzeit von Paul Uwe Dreyer geleitete Stuttgarter Kunstakademie. Werke von Anselm Kiefer, Imi Knoebel, Hanne Darboven, Gilbert & George und Franz Erhard Walther waren versammelt, es ging mithin um eine erste Neubewertung der Kunst der 1970er Jahre.
Warum der Ortswechsel? „Der Ausstellungsraum im Künstlerhaus war definiert“, sagt Görner, „es ging aber gerade darum, die Werke in ihrer Sprache und Wirkung an einem noch unbestimmten Ort erleben zu können.“ Knapp 100.000 Euro Kosten waren für die „Lehrstunde der Nachtigall“ berechnet – bei einem Jahresausstellungsetat im Künstlerhaus von „10.000 Mark, glaube ich“ (Görner). Wie kann man solches dennoch wagen? „Man muss es“, sagt Görner, „und wir haben natürlich gedacht, da kommen 1000 Leute in der Woche. Was Unsinn war, aber man muss einfach ungeheuer viel dafür tun, dass eine solche Ausstellung möglich wird.“




