
Stuttgart/Berlin - Im „Tatort“ spielt Oliver Mommsen normalerweise den sensiblen Kopfmenschen Nils Stedefreund. Doch in der Komödie „Sind denn alle Männer Schweine?“ gibt er den sexistischen Anwalt Hanno, einen Kerl, den die Frauen lieben und hassen. Ein Männergespräch.
Herr Mommsen, schämen Sie sich nicht?
Nein, wieso?
In „Sind denn alle Männer Schweine?“ geben Sie den Scheidungsanwalt und Schwerenöter Hanno, der Frauen mit Poklapsern verabschiedet und in der Sauna einen längst vergessenen One-Night-Stand an den Brüsten erkennt.
Natürlich ist das völlig übertrieben. Es ist eine Komödie. Trotzdem ist es faszinierend, mal so einen Typen zu spielen. Einen, der Ecken und Kanten hat, einen, der nicht weichgespült ist, sondern all diese unfassbaren Dinge tut.
Und ich dachte, Sie seien einer dieser frauenbewegten Künstler. Immerhin waren Sie in der legendären RTL-Serie „Dr. Monika Lindt“ Fernsehdeutschlands erste männliche Sprechstundenhilfe.
Stimmt. Trotzdem oder gerade deswegen gibt es da diese dunkle Sehnsucht. Seitdem wir Männer stricken und Norwegerpullis tragen, ist die Toleranzgrenze ja ziemlich schnell erreicht. Da muss einer nur mal impulsiv auf den Tisch klopfen oder sein Brusthaar lüften, schon wird er als Macho oder Neandertaler abgestempelt.
Im Bremer „Tatort“ schlüpfen Sie seit Jahren in die Rolle von Kommissar Nils Stedefreund. Das ist ein sensibler Kopfmensch.
Jetzt kann man fragen, in wem steckt mehr Mommsen: in Hanno oder in Stedefreund? Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich zurzeit auf dem Weg zum Hanno. Definitiv.
Das ist besorgniserregend. Die guten alten Schimanski-Zeiten sind doch endgültig vorbei.
Tja. Ich beobachte das in meinem Freundeskreis. Ich finde trotzdem: Es hat doch jeder Mann eine Zeit lang das Recht auf Einstellungen, die durch das strenge Raster des Feminismus und der politischen Korrektheit fallen. Hauptsache, alles findet am Ende ein Happy End. Wie in diesem Film, wo der Hanno auch noch die Kurve kriegt. Oder wie meine Schwiegermutter über mich gewöhnlich zu sagen pflegt: „Er ist ein Idiot, aber er lernt noch.“
Offensichtlich waren die Dreharbeiten angenehm für Sie?
Ja, was auch an der Regie von Sophie Allet-Coche liegt, die einfach weiß, was lustig ist, das Gefühl und das richtige Timing für die Pointe hat und nichts dem Zufall überlässt.
Valerie Niehaus spielt Maja, eine Anwältin, die nach einem Unfall die ferkeligen Gedanken der Männer lesen kann. Da kommt es mehr auf die Mimik an als auf die Dialoge. Kommt man da bei den Einsätzen durcheinander?
Nein. Die Gedanken wurden während der Dreharbeiten eingelesen. Das hat super geklappt und lag mir, auch weil ich kein Freund von großen Textmengen bin. Je mehr Text ich lernen muss, desto ängstlicher werde ich.
Wie war die Begegnung mit ihrem Kollegen Mathieu Carriére?
Ich hatte zwar nur eine Szene mit ihm und dennoch: toll. Schon als Jugendlicher habe ich seine Filme gesehen. Ein extremer Charakter mit einer unglaublichen Aura, völlig unkompliziert, sehr gut vorbereitet. Ein echter Profi.
In 62 Jahren Berlinale kommt einiges an Staraufgebot zusammen - wir werfen einen Blick zurück!
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