Triberg Selbst Petrus hilft mit
Schwarzwälder-Bote, 02.05.2012 00:20 UhrVon Hans-Jürgen Kommert
Schönwald. Es klang schon beinahe wie eine Entschuldigung: Nachdem im Vorjahr das Maibaumstellen des Heimatvereins Schönwald buchstäblich "ins Wasser fiel" und der kleine Verein auf recht hohen Kosten sitzen blieb, wollte man in diesem Jahr angesichts der Wetterlage eher "kleinere Brötchen backen".
Tatsächlich sah es zunächst nach einer Wiederholung des letzten Jahres aus. Bewölkter Himmel und ein recht seltsamer Wind ließen offensichtlich auch etliche Besucher daheim sitzen bleiben. Auch Maiwanderer traf man heuer seltener als sonst. Feuerwehr und die Zimmerleute der ortsansässigen Zimmerei mitsamt deren Chef Johannes Göppert waren schon vor Ort, der riesige Maibaum war geschmückt und gerichtet.
Drei Tonnen soll das gute Stück auf die Waage bringen, erklärte der Vorsitzende des Heimatvereins, Alexander Zimmermann. Daher könne der Baum auch nicht von Hand aufgestellt werden. "Im Durchschnitt hält uns der Baum zwischen drei und vier Jahre, dann macht der TÜV nicht mehr mit", räumte er ein. Der jeweils neue Baum werde dann immer von Ludwig Dieterle spendiert, wo er auch sein Winterlager hat.
Mit etwas Verspätung rückte aus Vöhrenbach das riesige Holztransportfahrzeug an, das mit seinem Kran dafür sorgen sollte, dass der Baum gefahrlos aufgestellt werden konnte. Sorgfältig wurde ein Seil um den Stamm herumgeführt, das von der riesigen Klaue des Holzfahrzeugs gefasst wurde. Vorsichtig, damit der Stamm nicht ins Schwingen geriet, hob der Fahrer ihn an und schob ihn in Richtung der Aufnahmehülse. Diese war vor einigen Jahren von Manfred Fattler neu konstruiert worden, lässt sich leicht schwenken und ist so prädestiniert für eine enorme Arbeitserleichterung.
Nachdem der Baum nun in der Hülse Platz gefunden hatte, richtete der Holzkran den 16,50 Meter langen Stamm auf. Eigentlich wäre dieser Baum in Bayern, wo das Maibaumstellen lange Tradition hat, kein reiner Maibaum, sondern ein sogenannter Zunftbaum. Denn von oben bis unten haben sich die in der kleinen Kurgemeinde vorhandenen Handwerkszünfte verewigt.
Das gute Stück wurde so gedreht, dass die Schilder aus Richtung B500 lesbar sind. Als es dann endlich bombenfest stand, wurde das letzte Zunftschild angebracht. Auf dem Kirchplatz begannen die Mitglieder des Heimatvereins damit, Tänze aus alten Zeiten vorzuführen.
Schade, diesmal hätte das Wetter gehalten, aber wer kann's ahnen, wenn die Vorhersage andere Dinge aussagt.



