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Triberg Hämmerndes Donnern und ekstatische Explosionen

Von

Von Siegfried Kouba

Triberg. Der dritte Abend des Triberger Kammermusikfestivals war ein Gruß zum 200. Geburtstag Franz Liszts. Als herausragender Titan der schwarz-weißen Tasten erwies sich Eric Himy.

Zu seinen Beiträgen lieferte er musikhistorische und werkbezogene Informationen mit augenzwinkerndem Humor. Spürbar war seine totale Verinnerlichung der kompositorischen Vorlagen und seine Eigenheit des langen Nachhalls mit interpretatorische Drang. Eigenwillig die Verknüpfung von nicht verwandten Stücken, die attacca ineinander flossen. Bei der Ungarischen Rhapsody Nr. 2 ging er mit seiner subjektiven Motivgestaltung über das Maß hinaus, was sich hier teils als ungewollt komische Akzente auswirkte.

Was haben die Komponisten des Abends miteinander zu tun? Ferenc Liszt unterrichtete den Italiener Giovanni Sgabatini. Schubert und Wagner lockten Listzts Bearbeitungsdrang. Liszt und Debussy waren Wahlverwandte, die sich in expressivem Ausdruck glichen – der eine voll romantischer Überschwänglichkeit, der andere als moderner Impressionist. Saint-Saens, Liszt und Vladimir Horowitz standen sich als Erfinder und Bearbeiter des "Danse macabre" nahe und mit Chopin war Liszt bestens bekannt.

Auch wenn der polnisch-französische Komponist ihn als "pianistische Null" bezeichnete, war Liszt die Nummer 1 auf europäischen Bühnen und in den Salons. Das leidenschaftliche Virtuosentum Niccolo Paganinis übertrug er auf das Klavier und was dabei heraus kam, durften die Besucher im Lazarus-von-Schwendi-Saal in gigantischen Ausmaßen genießen.

Eric Himy erwies sich als Meister des Klangrausches vom Streicher-Piano bis hin zum donnernden Fortissimo. Viel Feingefühl war bei den "Harmonies du soir" zu spüren. Das ganze, erschütternde Gefühlsspektrum wurde beim "Vals obliée Nr. 1" und von den durch grausame Tiefe, hämmerndes Donnern und ekstatischen Explosionen der "Funerailles" offenbart. Verknüpft wurden auch Schuberts "Ständchen" und Wagners "Liebestod". Es hätte nur noch ein Vorhang aufgehen müssen und Bayreuth wäre perfekt gewesen.

Zu einer innigen Liebeserklärung wurde das Petrarca-Sonett 47, worin die ungarische Rhapsodie unvermittelt klang. Zu Schmuckwerk wurde Sgambatis "Melodie d`Orfeo" (nach Chr. W. Gluck) und der "Danse macabre", der wohl zu makaber gelang, so der Pianist selbst. Gekonnt war der stilistische Wechsel zu Debussy, dessen unzusammenhängende Werke wie eine Suite erklangen. Die Verknüpfung des langsamen Walzers "La plus que lente" (rubato/morbidezza) und dem berühmten "Cake-Walk" (Child­rens Corner) passten ob ihres Humors zusammen und traumhafte Stimmung boten "Das Mädchen mit den Flachshaaren" und die impressionistische Berühmtheit "L´isle joyeuse". Eine großartige Gestaltung gelang dem Interpreten mit Chopins "Fantaisie-Impromtu" und der Eigenbearbeitung des Larghettos aus dem ersten Klavierkonzert.

 
 

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Christel Börsig-Kienzler

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