Triberg Alt-Bürgermeister Hubert Fleig ist tot
Schwarzwälder-Bote, 04.07.2012 00:05 Uhr
Hubert Fleig (links) ist gestorben. Unsere Aufnahme zeigt Gremmelsbachs Ortsvorsteher Reinhard Storz als er im November 2007 seinem Vorgänger in dessen Stube auf dem Steinbishof zum 85. Geburtstag gratulierte. Foto: ArchivFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Karl Volk Triberg-Gremmelsbach. Die Nachricht vom Tod des ehemaligen Bürgermeisters und Ortsvorstehers Hubert Fleig erfüllte die Einwohner von Gremmelsbach mit tiefer Trauer. Nach langer, schwerer Krankheit war Fleig in der Nacht zum Samstag gestorben. Die Dorfgemeinschaft verdankt Hubert Fleig viel. Seine Begabungen, seine Tatkraft, sein ganzes Wesen stellte er in den Dienst der Mitmenschen in der Gemeinde und der Raumschaft. Das wussten seine Mitbürger immer. Sie wählten ihn, obwohl er sich 1966 nicht offiziell zum Bürgermeisterkandidaten aufstellen ließ, mit großer Mehrheit in sein Amt. Um Mehrheiten musste er nie bangen.
Seine Gemeinde war ihm so wertvoll wie sein eigener Besitz, er identifizierte sich mit Gremmelsbach. Er war Standesbeamter und Rentenberater. Wo es zu helfen galt, verweigerte er sich nie, er stellte sogar seine eigenen Geräte zur Verfügung. Fleig ergriff die Initiative, wo immer es möglich und sinnvoll war.
35 Jahre in der Kommunalpolitik aktiv
In seinen Jahren in der Kommunalpolitik – es waren insgesamt 35 – veränderte sich das Gesicht seines Heimatdorfes. Schon als Ratsschreiber (1958 bis 1966) machte er sich um den Standort für das neue Schulhaus Gedanken. Seine Jahre als Bürgermeister (1966 bis 1974) war die Zeit reichlich fließender Zuschüsse. Seine guten Verbindungen zum Landratsamt konnte er einsetzen, er nahm immer alle Geldquellen des Landes Baden-Württemberg für Gremmelsbach wahr.
Vor Großprojekten schreckte er nicht zurück. Der Straßenausbau erfuhr seine entscheidende Verbesserung, sowohl Gemeindeverbindungsstraßen (21 Kilometer) als Hofanschlüsse (sechs Kilometer) wurden angelegt. Das Neubaugebiet "Sommerberg" wurde erworben und erschlossen. Fleig meisterte die Finanzierung der Aussegnungshalle durch den Verkauf zweier gemeindeeigener Häuser, er setzte sich für die Wasserleitung über den Kreisbach ein und half damit ein entscheidendes Problem zu lösen. Gremmelsbach erhielt einen schmucken Dorfbrunnen in der Dorfmitte.
In seine Jahre als Stadtrat fielen die Verbandskläranlage und die Entscheidung für das Alten- und Altenpflegeheim in Triberg. Einmal wurde ihm sein Amt schwer, als die Landespolitik die Gemeindereform durchführte (1974). Die Selbstständigkeit einer sich im Aufschwung befindenden Gemeinde aufzugeben, fiel ihm nicht leicht. Doch rang er sich auch dazu durch, und es erwies sich nicht als Nachteil.
Für die Freien Wähler im Gemeinderat
Fleig schloss sich im Gemeinderat der Freien Wählervereinigung an. An den Aussprachen beteiligte er sich lebhaft, nie verletzend, immer versöhnlich und kompetent. Für die Kommunalpolitik war er geboren. Die Zusammenarbeit mit Gemeinderat und Ortsverwaltung Triberg gelang von Anfang an und war bald kein Diskussionsthema mehr. Im Jahre 1999 verlieht ihm Landrat Karl Heim den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für seine langjährige, kommunalpolitische Tätigkeit.
Das Schönste, was man über das Zusammenleben in einer Gemeinde sagen kann, ist, dass sie im Frieden lebt. Seine Jahre waren Jahre des Friedens. Er wusste um die kulturelle Bedeutung eines lebendigen Vereinslebens, er förderte Vereine, wo immer er konnte, mit Zuschüssen, im Kirchenchor war er als Tenorsänger aktives Mitglied und Kassenführer, in vier anderen Vereinen passives Mitglied. Gern fand er sich nach den Sitzungen auch am Stammtisch ein und war immer ein angenehmer, geistvoller Plauderer und Gesprächspartner.
Der Mann voll Unternehmungsgeist war auch mit Leib und Seele Landwirt. Es war kein bequemer, eher ein typischer Schwarzwaldhof, der Hintere Steinbis mit seinen Steilhängen. Abschüssige Wiesen waren zu mähen, Ernten einzubringen und im urweltlichen Schlossfelsengebiet Holz zu machen. Quellen mussten gefasst werden, das Bauernhaus musste immer wieder renoviert werden. "Nebenher" baute er für sich und seine Ehefrau Anneliese ein Leibgedinghaus, und nicht genug: Familie Fleig gehörte zu den Ersten, die "Ferien auf dem Bauernhof" anboten.
Bis in die Zeit seines Ruhestandes hinein (1993) bewahrte er eine Freundschaft mit einer Familie, der er in französischer Gefangenschaft zugeteilt war und gab damit das schönste gelebte Beispiel, wie die Freundschaft über Feindschaft und Verbitterung, über die Erinnerung an Hunger und Gefahren siegen kann. Die Familien besuchten sich in zwei Generationen gegenseitig.
19 Jahre waren ihm im Ruhestand vergönnt. So lange es seine Kräfte zuließen, sang er im Kirchenchor mit, besuchte den Stammtisch ehemaliger Bürgermeister, nahm an den Veranstaltungen des Seniorenkreises teil, war auch noch draußen bei der Arbeit zu sehen, bis ihm auch dies nicht mehr möglich war.
Seine letzte Ruhestätte findet Hubert Fleig auf dem Friedhof, zu dessen Pflege er so viel beigetragen hat. Die Trauerfeier mit anschließender Beisetzung findet morgen um 13 Uhr in der Pfarrkirche in Gremmelsbach statt.


