
Für die Firma sei der Rückzug ein Schock gewesen, heißt es aus Erlangen. In mehreren Vorgesprächen habe Claassen den Eindruck vermittelt, bei dem aufstrebenden Solarthermiespezialisten "seine Bestimmung gefunden" zu haben. Die Erwartungen in den charismatischen Manager seien enorm gewesen. Inzwischen allerdings hat sich der Ton gewandelt. Nach Angaben seines ehemaligen Arbeitgebers habe Claassen in seiner Amtszeit nur wenige Tage in seinem Büro zugebracht. Seine Leistung überhaupt zu messen, stelle das Unternehmen vor Schwierigkeiten, sagte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von Solar-Millennium, Hannes Kuhn, dem "Handelsblatt" Ende Juli. Kein einziges Neugeschäft sei von Claassen, der angetreten war, die Marktkapitalisierung des börsennotierten Mittelständlers in andere Dimensionen zu treiben, initiiert worden. Im Gegenteil: Der Aktienkurs von Solar Millenium rauschte nach Claassens überraschendem Rücktritt zeitweise um bis zu 35 Prozent in den Keller.
Den laut Medien erzielten Kompromiss über eine Rückzahlung von fünf Millionen Euro kommentierten weder Solar Millennium noch Claassens Anwalt. Nach monatelangen Streits fällt es jedoch schwer zu glauben, dass das Thema Geld bei den juristischen Rückzugsgefechten mit Solar-Millennium und auch mit der EnBW keine Rolle gespielt haben. Ist Claassen also ein Manager, der doch zuerst aufs eigene Konto schaut?
Es gibt auch Gegenbeispiele. Als ihm im Zuge der WM-Ticket-Affäre von der Justiz der Deal angeboten wurde, die Sache gegen ein geringes Bußgeld auf sich beruhen zu lassen, lehnte er entrüstet ab. Stattdessen ging Claassen im Lauf der weiteren Auseinandersetzung das Risiko ein, weit mehr berappen zu müssen. Schuld und Unschuld seien für ihn "keine relativierbaren Begriffe", sagte er später über sein Verhalten. Da er von seiner Unschuld überzeugt gewesen sei, hätte er für einen Deal - geringe Strafe gegen Schuldeingeständnis - nicht mal einen Euro gezahlt. Tatsächlich wurde Claassen von allen Vorwürfen freigesprochen. Juristisch blieb nichts an ihm hängen.
Seine Reputation als Manager haben die permanenten juristischen Zankereien dagegen wohl schwer in Mitleidenschaft gezogen. Hört man sich bei der Belegschaft eines seiner ehemaligen Arbeitgeber um, überwiegt die Erleichterung, dass er an anderer Stelle wirkt. Und auch in den Top-Etagen kommt man offenbar ins Grübeln, ob Claassen, der sich immer als eine Art gerechter Sanierer gesehen haben dürfte, der Richtige sein könnte. Bei der Diskussion um die Nachfolge von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, kam er - obwohl als einer der Favoriten gehandelt- jedenfalls nicht zum Zug. Fast zweieinhalb Jahre, von Ende September 2007 bis zu seinem Amtsantritt bei Solar-Millennium 2010, bezog er kein Gehalt aus einer Festanstellung. Lediglich auf Honorarbasis arbeitete er für den Finanzinvestor Cerberus.
Geld kann es also wirklich nicht sein, worauf es Claassen ankommt.
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