Todestag Geburtstag Herzliches Beileid statt Happy Birthday

Regine Warth, 11.08.2012 08:00 Uhr

Zürich/Bochum - Feste sollen gefeiert werden, wie sie fallen. Doch wenn der Todestag auf den Geburtstag fällt, dann ist es schnell vorbei mit der Feierfreude. Prominentestes Beispiel ist die Schauspielerin Ingrid Bergmann, die an ihrem 67. Geburtstag an Krebs verstarb. Und sie ist bei weitem nicht die Einzige: Wie schnell aus einem „Happy Birthday“ ein „Herzliches Beileid“ werden kann, haben nun Schweizer Forscher herausgefunden: Die Ergebnisse ihrer Studien belegen, dass das Risiko, am eigenen Geburtstag zu sterben, um 14 Prozent höher ist als an allen anderen Tagen des Jahres. Bei Frauen, die dabei älter als 60 Jahre werden, ist das Risiko sogar etwas höher.

Das Team um Vladeta Ajdacic-Gross von der psychiatrischen Uniklinik in Zürich belegte mit seinen Ergebnissen somit eine Hypothese, die seit mehr als 40 Jahren diskutiert wird. „In den 70er Jahren war man noch der Meinung, dass die Menschen so lange ihren Todeszeitpunkt herauszögern können, bis so wichtige Ereignisse wie der eigene Geburtstag über die Bühne gegangen sind“, sagt Vladeta Ajdacic-Gross in einem Interview im Schweizer Radio.

Später dann wurde die Gegenhypothese aufgestellt, nach der sich die Gefahr, am Geburtstag auf irgendeine Weise zu sterben, tatsächlich erhöht. „Wir wollten lediglich herausfinden, welche der beiden Hypothesen nun die richtige ist“, sagt Ajdacic-Gross.

Das Risiko eines tödlichen Herzinfarktes erhöht sich um 18,6 Prozent

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler Mortalitätsdaten von mehr als zwei Millionen Schweizern analysiert und dabei Daten aus den Jahren von 1969 bis 2008 genutzt. Dabei kam heraus, dass sich das Phänomen, am eigenen Geburtstag zu sterben, auf bestimmte Todesursachen konzentriert: Allen voran sind es tödliche Herzinfarkte, deren Risiko sich um 18,6 Prozent erhöht. Speziell bei den Frauen ist der Schlaganfall an diesen Tagen weit verbreitet. Da steigt das Risiko um 21,5 Prozent an. Sogar das Risiko, wie Ingrid Bergmann an Krebs zu sterben, ist dann 10 Prozent höher.

Doch nicht nur wegen tödlicher Krankheiten kann der Jubeltag in Tränen enden. So laufen vor allem Männer Gefahr, an ihrem Geburtstag tödlich zu verunglücken – laut Studienergebnissen kommt es mit einer Wahrscheinlichkeit von 29 Prozent zu bösen Stürzen. Des Weiteren sind sie auch durchaus selbstmordgefährdeter. Das Risiko steigt hierbei schon um 35 Prozent.

Wissenschaftlich beweisen lassen sich diese Phänomene nicht. Für die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie sind die Ergebnisse der Studie jedoch recht plausibel: So spielt für den Herz-Kreislauftod der Stress eine wichtige Rolle. „Ältere Leute leiden oft an Herz- und Gefäßerkrankungen, etwa Verkalkungen der Gehirn- und Herzkranzgefäße oder Herzrhythmusstörungen“, sagt der Mediensprecher der Gesellschaft, Helmut Schatz aus Bochum. „Dann kann ein zusätzlicher Ausstoß an Stresshormonen wie Noradrenalin, Adrenalin und Cortisol den Kreislauf so ankurbeln, dass Infarkte auftreten oder es zum Schlaganfall kommt.“

„In einem alkoholisierten Zustand neigen vor allem Männer dazu, an Geburtstagen rührselig zu werden und Bilanz ihres Lebens zu ziehen“

Bei den Fällen von Suizid oder den tödlichen Unfällen ist vermutlich Alkohol im Spiel. „In einem alkoholisierten Zustand neigen vor allem Männer dazu, an Geburtstagen rührselig zu werden und Bilanz ihres Lebens zu ziehen“, sagt Schatz. Und die fällt offenbar bei nicht allen sonderlich positiv aus. Auch die Sturzgefahr erhöht sich bei angetrunkenen Geburtstagskindern, weswegen es gehäuft zu tödlichen Unfällen kommt. Lediglich das Sterberisiko der Krebspatienten gibt der Wissenschaft Rätsel auf. Denn Krebs entwickelt sich über Jahre hinweg und wird nicht plötzlich zur tödlichen Bedrohung.

Runder Geburtstag, kleine Runde – so lautet das Fazit der Studie. Während die Frauen ihren Festtag lieber ruhiger angehen lassen und mit ihren Gästen essen gehen sollten, statt in der Küche Essen vorbereiten, würde es den Männern guttun, Bier und Wein inMaßen zu genießen. „Wer impulsiv ist, einsam ist oder psychische Probleme hat, sollte die Finger vom Alkohol lassen“, sagt Ajdacic-Gross .

Wer nun glaubt, die bisweilen tödlich endende Feierlaune wäre allein den Schweizern zuzuschreiben, der irrt. Nach Meinung der Wissenschaftler sind die Studienergebnisse auch auf Deutschland sowie andere westliche Staaten übertragbar. Lediglich in den Kulturen, in denen der Geburtstag keine so große Rolle spielt, kämen ähnliche Untersuchungen sicher zu anderen Ergebnissen.

 
 
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