„Titanic“ Mit dem „Herz des Ozeans“ in die Disco

Andrea Jenewein, 13.04.2012 07:00 Uhr

Stuttgart - Andrea kann sich glücklich schätzen. Wenige Frauen außer ihr können von sich behaupten, einmal das „Herz des Ozeans“ gesehen zu haben – geschweige denn, es angefasst oder gar am Hals getragen zu haben. Das „Herz des Ozeans“? – Wer sich fragt, was es damit auf sich hat, hat wohl nie den Film „Titanic“ von James Cameron gesehen. Darin spielt der blaue Diamant – der dem berühmten Hope-Diamant nachempfunden ist – eine wichtige Rolle: Die Schauspielerin Kate Winslet trug als Protagonistin Rose das Schmuckstück in einigen Szenen um den Hals .

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Titanic - interaktive Grafik

Dimitri Grubert fasst nach einer dunkelblauen Schatulle und öffnet sie. Das „Herz des Ozeans“: Da liegt es. Nein, das aus dem Film ist es nicht. Aber auch keines der billigen Imitate, die es zuhauf im Internet zu kaufen gibt. „Das ist eine auf 50 Stück limitierte Nachempfindung, welche die J.Peterson Company in Auftrag gegeben hat, die den Fundus aus dem Film aufkaufte.“ Grubert streicht über das Herz. „Das ist ein großer Kristallstein mit Swarovski-Steinen an den Kettengliedern“, sagt er.

„Leg ihr das Herz doch einmal um den Hals“, mischt sich Andrea ein, die beste Freundin des 29-Jährigen. Das ist nun wahrlich zu viel der Ehre! „Ich habe ihn mir einmal ausleihen dürfen“, sagt Andrea. Wirklich? Das muss gewiss zu einem wichtigen Anlass gewesen sein. Vielleicht eine Hochzeit? Zu diesem Zwecke ersteigerte schließlich auch eine Amerikanerin für eine halbe Million Euro das schwarze Spitzenkleid, das Kate Winslet im Film trägt. „Ach, ich bin damit in die Disco gegangen“, sagt Andrea.

Dimitri Grubert besitzt Kate Winslets „Untergangskleid“

Auch Grubert besitzt ein Filmkleid von Kate Winslet – er nennt es das „Untergangskleid“, weil sie es im Film trug, als der Ozeandampfer unterging. „Es gab drei Stück davon, aber weil sie damit die ganze Zeit im Salzwasser rumwatete, ist es ziemlich abgewetzt“, sagt er und trübt damit den ehrfürchtigen Blick auf das Kleid in der Vitrine. „Sie selbst sagte mir, als ich sie in Berlin traf, dass sie nie wieder die Kleider aus ‚Titanic‘ tragen wolle, weil sie so schmal geschnitten sind und sie so darin gefroren habe“, legt er nach.

9000 Euro hat er für das Kleid gezahlt. „Eigentlich wollte ich auch den dazu passenden rosafarbenen Mantel bei Macy’s ersteigern, aber bei 5000 Euro habe ich aufgehört zu bieten“, sagt Grubert. Man merkt deutlich, dass ihn dies ärgert. Aber in diesem Fall siegte die Vernunft.

Das war und ist nicht immer so. Seit Grubert mit 14 Jahren „Titanic“ gesehen hat, steckt er all sein Geld in seine Sammlung, die alles rund um den Ozeanriesen umfasst. Zunächst ging er als Schüler Zeitungen austragen, um sich sein Hobby finanzieren zu können. Dann machte der gebürtige Kasache, der mit drei Jahren nach Deutschland kam, eine Ausbildung zum Krankenpfleger – natürlich auf einem Schiff. „Ich habe auf der ‚Queen Mary 2‘ gearbeitet“, sagt er und präsentiert stolz seine Uniform sowie einen Holzliegestuhl vom Deck des Schiffes, der nun auf seinem Balkon steht. Nachdem er die „Queen Mary 2“ wieder verließ – das Passagierschiff gehört übrigens zur Cunard Line, die damals mit der White Star Line, welche die „Titanic“ baute, in Konkurrenz lag –, arbeitete er als Krankenpfleger in der Pfalz. Seit einem Dreivierteljahr lebt er bei seinem Verlobten in Stuttgart und arbeitet in der Altenpflege.

 
 
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