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Sulz a. N. Zeitreise durch die Zunft-Geschichte

Marzell Steinmetz, vom 20.02.2012 09:08 Uhr
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Der Zunftball stand ganz im Zeichen des 75. Jubiläums der Sulzer Narren. Den verschiedenen Epochen angepasst waren auch die Beiträge: "Veronika, der Lenz ist da", schmetterten die Comedian Harmonists. Foto: Steinmetz
Der Zunftball stand ganz im Zeichen des 75. Jubiläums der Sulzer Narren. Den verschiedenen Epochen angepasst waren auch die Beiträge: "Veronika, der Lenz ist da", schmetterten die Comedian Harmonists. Foto: Steinmetz
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Sulz - Die Sulzer Narrenzunft feierte ihren 75. Geburtstag in Rot-Gelb: Viele Besucher kamen kostümiert in den Zunftfarben zum Jubiläumsball am Samstag im Backsteinbau. Bei der Zeitreise durch die Zunft-Geschichte durften sie sich wie im Kino fühlen.

Traditionell liefen die Sulzer Narren ein. Zunftmeisterin Uschi Leinert begrüßte die Geburtstagsgäste in der nicht ganz ausverkauften Stadthalle. Dann hieß es: Vorhang auf, Film ab. Moderator Klaus Kopp versetzte die Zuschauer in das Jahr 1937. Damals, am 26. Januar, ist die Sulzer Narrenzunft von 20 Mitgliedern gegründet worden.

Im Film kommen Zeitzeugen zu Wort: Karl Albert Ziegler berichtet, wie er die ersten Narrenumzüge als Kind vor dem Zweiten Weltkrieg erlebt hatte, erzählt über die Höhen und Tiefen der Fasnet in den 1950er- und 1960er- Jahren und den Neustart im Jahr 1971. Die Narren hatten es nicht gerade leicht, sich durchzusetzen. Eine Schande sei es, dass in einer evangelischen Dekanatsstadt Fasnet gefeiert werde, zitiert Ziegler einen Schulleiter. Umso mehr strengte sich die Zunft an, dass im "evangelischen Flecken", so Zeitzeuge Hans-Dieter Mäntele, die Fasnet etwas hergibt.

Die Narren waren jedenfalls nicht mehr aufzuhalten: Peter Gayer schildert die Umtriebe und die nicht immer nur harmlosen Scherze der Sulzer Hexen, die deshalb auch Nummern bekamen. Eberhard Frick erinnert an das 50. Jubiläum 1987: Da war die Fasnet endgültig in der Stadt angekommen. Filmaufnahmen von damals zeigten, wie die honorigen Bürger im Bierzelt auf dem Sportplatz mitschunkelten und Fasnetslieder sangen. "Es war toll", stellt Frick fest, der sein Zunftmeisteramt 1993 an Jürgen "Hacky" Hartmann übergab.

Fricks Nachfolger führte gleich zwei Neuerungen ein: Der Sulzer Narrentag wurde 2000 ins Leben gerufen und drei Jahre später am Fasnetsdienstag das Zwiegespräch von Optimist und Pessimist mit dem anschließenden Entschwinden auf dem Neckar eingeführt. Dabei ging die Fasnet 2008 allerdings buchstäblich baden: Das Boot mit den Narren kenterte. "Da ist die Fasnet erstmals untergegangen", sagt "Hacky" Hartmann beim Interview. Gegründet wurde die Zunft ausschließlich von Männern, heute regiert mit Uschi Leinert aber eine Frau. So ändern sich die Zeiten.

Aufgenommen wurde der Film mit den Interviews von einem professionellen Team in der Sulzer Fischerhütte. Die Zeitzeugenberichte wurden umrahmt von historischen Ereignissen der jeweiligen Epoche. Regie führte Sabine Kitzlinger.

Zum Film gab es, passend zu den jeweiligen Epochen Live-Auftritte. Die Fischinger Zunftgarde legte einen flotten Charleston aufs Parkett. "Veronika, der Lenz ist das" oder "Ein Freund, ein guter Freund" schmetterten die "Comedian Harmonists" – ein gelungener Playback-Auftritt von Manfred Holst, "Wadi" Michael Walter und Thomas Freund. Die Zuschauer erlebten das grandiose Abba-Comeback mit Karin Ziegler, Anne Rebholz, Jörg Sülzle und Axel Heintel. Die Showtanzgruppe der Narrenzunft Mühlheim/Renfrizhausen beeindruckte mit dem Bau lebender Pyramiden

Am Ende gab es noch eine Premiere: Der Sulzer Narrenmarsch hat jetzt auch einen Text, verfasst von Karin Ziegler. "Wenn d’Sulzer Fasnet isch ond s’Städle närrisch isch, no semmer lustig und so froh", beginnt der Refrain. Alle Akteure sangen das Lied mit, anschließend war die Bühne frei zum Tanz mit den "Nachtschichtlern". Bis die Pink Pämpäs kamen: Diese brachten die Halle zum Beben.

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