
Von Marzell Steinmetz
Sulz-Renfrizhausen. Wenn Günter Hund heute mit seinem Sohn in den Wald geht, nimmt er das Gewehr zwar mit, aber geschossen wird nicht. Das Wild hat vor den beiden Jägern an Heiligabend nichts zu befürchten. Im Wald herrscht Friede: "Das gehört für mich zu Weihnachten", sagt der in Renfrizhausen wohnende Kreisjägermeister.
An Heiligabend werden die Rehe nur gefüttert. Günter Hund inspiziert in seinem Revier auf dem Kirchberg die Futterkrippen, die nicht nur die Rehe aufsuchen. Bei Schnee verraten die Spuren die Besucher. Auch Wildschweine, für die das Futter nicht bestimmt ist, schauen dort vorbei.
Vom 1. Dezember bis 31. März darf der Jäger Schalenwild füttern. Darüber hinaus ist das nur auf Anordnung des Kreisjagdamts erlaubt, etwa wenn der Winter länger anhält. "Wir unterliegen ganz strengen Futterbestimmungen", erklärt Hund. Und er legt großen Wert darauf, dass die Bestimmungen eingehalten werden. Die Wildtiere dürften beispielsweise auf keinen Fall gemästet werden. Auch wird genau festgelegt, welche Futtermittel ausgebracht werden dürfen.
Es gibt Leute, die Brot und süße Stücke von Bäckereien in die Futterkrippen werfen, womöglich in der Annahme, dass sie etwas Gutes für die Tiere tun. Das bekommt den Rehen aber nicht, übrigens genau so wenig wie Heu. Werden sie nämlich nur damit gefüttert, "verhungern sie mit vollem Pansen".
Die Jäger besorgen sich bei den Mostereien für die Rehfütterung im Winter Obsttrester. Günter Hund muss aber noch dazu kaufen. Bei seinem Haus hat er rechtzeitig vor dem Winter ausreichend Vorräte angelegt.
Während im Sommer die Rehe alle zwei Stunden äsen, fahren sie in der kalten Jahreszeit ihren Energiehaushalt zurück. Dann nehmen sie nur alle vier bis fünf Stunden Nahrung auf. Die Tiere brauchen, um nicht zuviel Energie zu verbrauchen, daher Ruhe. "Am schlimmsten ist es, wenn Rehe im Winter von quer durch den Wald laufenden Joggern oder von Hunden aufgescheucht werden", erklärt Hund.
Im Jagdgesetz steht, dass die Jäger die Pflicht haben, in Notzeiten das Schalenwild zu füttern. Doch das ist politisch inzwischen nicht mehr unumstritten. Die neue grün-rote Regierung wolle ihrem Programm zufolge ein Fütterungsverbot einführen: "Für mich völlig unverständlich", so Hund. Mit der Fütterung werde der Verbiss von Jungpflanzen geringer gehalten. Das ist besonders wichtig, da die Förster die Naturverjüngung des Waldes forcieren wollen. Für Hund steht daneben aber auch der Tierschutz im Vordergrund: "Ich lasse keine Tiere verhungern", betont er. Durch die intensive Freizeitnutzung des Waldes hätten die Rehe im Winter einen höheren Energiebedarf. Hund: "In unserer Freizeitgesellschaft muss ich deshalb schauen, dass die Rehe durchkommen".
Füttern ist übrigens nicht gleich füttern. Da gibt es neben der Ablenkungsfütterung von Schwarzwild die Kirrung, mit der die Wildsauen angelockt werden. Der Jäger stellt zu diesem Zweck einen kleinen Kasten in der Nähe des Hochsitzes auf, befüllt ihn mit kleinen Mengen Mais und beschwert den Deckel mit einem Stein. Ohne diese Methode könnten Wildsauen vom Hochsitz aus kaum erlegt werden. Den Behälter stattet der Jäger oft noch mit einer Uhr oder sogar einer Kamera aus. Damit kann er kontrollieren, wann eine Rotte auf ihren kilometerweiten Touren vorbeikommt. Die Kirrung ist im Gegensatz zur Fütterung das ganze Jahr über erlaubt.
"Schnee ist das Schönste für einen Jäger", sagt Günter Hund. Da sieht er jede Menge Spuren, und auch nachts hat er noch Büchsenlicht. Das spielt heute aber keine Rolle: Der Weihnachtsfrieden für die Tiere in seinem Revier ist ihm heilig. Da sorgt sich Günter Hund nur darum, dass es auch den Rehen gut geht.