
Sulz - Fragen von Arbeitssuche über Kinderbetreuung bis Witwerrente beantworten die "FAMNet"-Mitarbeiterinnen. Wie wichtig das im Oktober 2011 gegründete Netzwerk für Alleinerziehende ist, beweist eine Zwischenbilanz.Umsonst ist Anna Liberatore noch nie nach Sulz gekommen: "Es waren jedes Mal ein paar Ratsuchende da", erzählt die "FAMNet"-Mitarbeiterin von ihren bisherigen Erfahrungen. Immer am letzten Dienstag im Monat bietet sie eine Sprechstunde im Haus der Betreuung und Pflege am Stockenberg an (siehe Info). Bislang waren es ausschließlich Frauen, die um Hilfe baten. Dabei sind Männer ausdrücklich willkommen.
Die Suche nach einem Arbeitsplatz ist in rund 80 Prozent der Fälle der Grund, weshalb Alleinerziehende die Beratung in Anspruch nehmen. Fragen zum schwierigen Thema Scheidung sind weitere Probleme, mit denen Anna Liberatore und ihre Kolleginnen oft konfrontiert werden. Hinzu kommen Sorgen, wie ein Elternteil allein Kinder angemessen in ihrer Entwicklung begleiten kann, wenn plötzlich der Partner fehlt oder nach einer Trennung nicht mehr täglich Kontakt haben kann oder will.
Die "FAMNet"-Mitarbeiterinnen beraten allerdings nicht selbst. "Unsere Aufgabe ist es, zu informieren und weiterzuvermitteln", beschreibt Liberatore ihre Tätigkeit. Ab und zu erledigen sie allerdings auch mal ein Telefonat bei einer Behörde oder einer anderen Kontaktstelle. Die meisten Ratsuchenden sind aber froh, zunächst das niedrigschwellige Angebot von "FAMNet" annehmen zu können.
Das Netzwerken stellt für das Team von "FAMNet" ein zentrales Anliegen dar. Deshalb sind die drei Mitarbeiterinnen ständig auf der Suche nach neuen Kooperationspartnern für das Alleinerziehenden-Netzwerk.
Projektleiterin Cornelia Graf ist es darüber hinaus wichtig, den Kontakt zu Kindergärten herzustellen. Zurzeit ist ein Flyer in Arbeit, in dem die Öffnungszeiten sämtlicher Betreuungseinrichtungen für Kinder im Kreis aufgelistet sein sollen. "Mit einem solchen Überblick ist vielen Alleinerziehenden geholfen", ist Graf überzeugt.
Noch ausbaufähig ist laut Cornelia Graf das Interesse von Unternehmen an familienfreundlicher Personalpolitik. Seit Januar gehen die "FAMNet"-Mitarbeiterinnen daher gezielt auf Betriebe zu. Ein vorbildliches Beispiel gibt es bereits in Sulz: Das Haus der Betreuung und Pflege am Stockenberg bietet dem Netzwerk nicht nur ein Büro für die monatlichen Sprechstunden an, sondern hat für alleinerziehende Mitarbeiterinnen bereits unterstützende Strukturen geschaffen.
Eine zentrale Sorge, die viele alleinerziehende Väter und Mütter umtreibt, ist das liebe Geld. Da das Netzwerk "FAMNet" unter anderem mit dem Sozialamt und der Schuldnerberatung zusammenarbeitet, wurde hierzu ein Vortrag organisiert. Kirsten Oltersdorf von der kommunalen Schuldnerberatung des Landkreises Rottweil spricht am heutigen Mittwoch um 16 Uhr im Haus der Betreuung und Pflege am Stockenberg zum Thema "Privates Finanzmanagement und Vermeidung von Schulden". Dabei geht es vor allem um Haushaltsplanung und das Bildungs- und Teilhabepaket für bedürftige Kinder und Jugendliche.