
Von Cristina Priotto Sulz. Die Zeitung war wieder mal an allem schuld: Als Kai Hellsterns Vater im Schwarzwälder Boten las, dass in Sulz die Neckarwerkstatt für behinderte Menschen eröffnen würde, machte er seinen Sohn darauf aufmerksam. Der 20-Jährige überlegte zu diesem Zeitpunkt gerade, wo er ein Freiwilliges Soziales Jahr (siehe Info) absolvieren könnte. Das Angebot der Neckarwerkstatt kam für den jungen Mann da wie gerufen.
Seine Bewerbung verlief völlig unkompliziert: "Ich habe angerufen, wurde zu einem Gespräch eingeladen, und dann war die Sache klar", erzählt der 20-Jährige. Seit 1. Februar ist Kai Hellstern als FSJler in der Neckarwerkstatt im Allmandgässle tätig
Schul-Praktikum in Dornstetten hat Freude am Sozialen geweckt
Erfahrungen im sozialen Bereich hatte der Dettinger schon als Schüler bei einem Praktikum in einem Altersheim gesammelt. Dabei lernte Kai Hellstern auch viel über sich selbst. "Ich arbeite gern mit Menschen, vor allem mit Leuten, die mich brauchen", weiß der 20-Jährige seither. Das motivierte ihn, seine berufliche Zukunft im sozialen Bereich zu suchen.
Nach dem Hauptschulabschluss besuchte der Dettinger daher die zweijährige Berufsfachschule für Gesundheit und Pflege an der Gewerblichen und Hauswirtschaftlichen Schule in Horb.
Bei einem Praktikum in der Schwarzwaldwerkstatt in Dornstetten stellte Kai Hellstern danach fest, dass er mit seiner offenen und lockeren Art einen guten Draht zu behinderten Menschen hat. "Die meisten denken, sie könnten das nicht, aber das liegt nur daran, dass viele Leute unsicher sind, wie sie mit behinderten Menschen umgehen sollen", ist der junge Mann überzeugt. Der Dettinger selbst hat großen Respekt davor, wie Erwachsene mit geistiger Behinderung ihr Leben meistern. "Ich sehe meine Aufgabe darin, sie dort zu unterstützen, wo sie Hilfe brauchen", beschreibt Kai Hellstern sein Tätigkeitsfeld.
Der Arbeitstag in Sulz beginnt morgens um halb acht, wenn der 20-Jährige die Mitarbeiter der Neckarwerkstatt von den Bussen abholt. Während sich die Männer und Frauen ihre Arbeitskleidung anziehen, sieht Kai Hellstern in den Werkhallen nach, ob alles in Ordnung ist, dann fangen die 26 behinderten Menschen mit der Arbeit an.
Die Aufgabe des FSJlers besteht aber keineswegs nur darin, den Leuten beim Schraubensortieren oder Nähen über die Schulter zu schauen. "Manchmal muss man die Mitarbeiter auch motivieren, mit der Arbeit weiterzumachen oder ihnen beim Essenbestellen helfen, und einige brauchen einfach mal jemanden zum Reden", fasst der 20-Jährige die Tätigkeiten während seiner ersten Arbeitswoche zusammen. "Kai, kannst Du mal bitte..." – diesen Satz hört Kai Hellstern jeden Tag dutzendfach, was dem jungen Mann das schöne Gefühl gibt, gebraucht zu werden.
Acht Monate dauert das Freiwillige Soziale Jahr für den jungen Dettinger. Barbara Gmelin-Müller, die Geschäftsführerin der Neckarwerkstatt, ist sehr froh über die Unterstützung durch einen FSJler – vor allem, nachdem man ihr vergangene Woche mitgeteilt hat, dass es für den dringend benötigten Bundesfreiwilligendienstler, der nächste Woche hätte anfangen sollen, keine Zuschüsse gibt. Die Stelle bleibt somit unbesetzt. Der jüngste Mitarbeiter der Neckarwerkstatt wird in nächster Zeit also wohl noch öfters "Kai, kannst Du mal bitte..." zu hören bekommen. Hilfsbereit und zuvorkommend wie der junge Mann ist, wird der 20-Jährige immer da sein, wenn ihn jemand braucht. "Ein Lächeln ist für mich der schönste Dank", sagt Kai Hellstern bescheiden. Kein Zweifel: Im sozialen Bereich hat der Dettinger seine wahre Berufung gefunden.