Sulz/Rottweil - Ein 39-Jähriger hat Ende Juli vergangenen Jahres in einem Sulzer Pflegeheim das Bett in seinem Zimmer mit einem Feuerzeug angezündet. Offenbar wollte er auf sich und sein Anliegen, aus dem Heim herauszukommen und seine "Freiheit" wieder zu erlangen, aufmerksam machen. Er gab für seine Tat gestern am Rottweiler Landgericht unterschiedliche Gründe an.

Die Staatsanwältin wirft dem Mann, der unter paranoider Schizophrenie leidet, schwere Brandstiftung vor. Damit habe er billigend in Kauf genommen, andere Patienten in dem Heim zu gefährden. Verletzt worden ist allerdings niemand. Ein in dem Heim tätiger Arbeitstherapeut hatte auf dem Weg zur Wohngruppe Rauch bemerkt und dann die Feuerwehr benachrichtigt. Fünf Patienten, die teilweise schliefen, holte er aus ihren Zimmern und brachte sie in Sicherheit. Den Angeklagten suchte er auch, sah ihn dann aber erst später im Freien. Der Heimmitarbeiter zog sich, wie er angab, selber eine leichte Rauchvergiftung zu.

Der Einsatzleiter der Sulzer Feuerwehr schickte einen Trupp mit Atemschutzgeräten in den brennenden Raum. Wasserschaden sei kaum entstanden, das Zimmer sei aber hinterher unbewohnbar gewesen.

Viel "Gras" geraucht

Der Angeklagte, der aus ­Vietnam stammt und mangels deutscher Sprachkenntnisse einen Dolmetscher benötigte, räumte ein, dass er sein Bett absichtlich angezündet habe, damit es zu einer Gerichtsverhandlung komme und er hierbei seine Probleme vortragen könne. Er fühlte sich von Mitbewohnern unter Druck gesetzt, Drogen für andere zu verkaufen und auch die entsprechenden Pflanzen anzubauen. Er gab allerdings auch zu, dass er in den drei Monaten, in denen er in Sulz war, viel "Gras" geraucht habe.

Wegen seines Drogenkonsums musste er ein Praktikum in Freiburg abbrechen. Sein "Chef" habe ihn dann nach Bad Bergzabern geschickt. Doch auch dort klappte es nicht mit der Arbeit, zumal er keinen Führerschein mehr hatte.

In Reutlingen ist der Mann in die Psychiatrie eingeliefert worden. In der Klinik hat er von jemanden gehört, der sein Zimmer angebrannt hat. Wenige Tage später hat er, wieder zurück in Sulz, sein Zimmer im Pflegeheim in Brand gesteckt. Er sei dabei, versicherte er dem Richter, nicht davon ausgegangen, dass er dadurch andere gefährden könnte oder sogar das ganze Haus brennen könne. Zudem glaubte er, dass ein Bekannter das Feuer bemerken und dann schnell die Feuerwehr alarmieren würde.

Ein Feuerzeug durften die Bewohner in seiner Abteilung offenbar ganz legal haben – zumindest bis zu dem Zeitpunkt der Brandstiftung, wie der als Zeuge geladene Arbeitstherapeut erklärte.

Bei der Befragung wollten Richter und Verteidiger vor allem den Grund für die Brandstiftung herausfinden. Der Zeuge deutete an, dass sich der 39-jährige Patient über das mehrwöchige Ausgangsverbot ärgerte. Er erinnerte sich an ein "lautes Gespräch" des Angeklagten mit einer jungen Betreuerin.

Die Gerichtsverhandlung wird heute fortgesetzt.