Sulz a. N. "Im Backsteinbau ist es kälter"

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Bei Eiseskälte verfolgen die Teilnehmer an der Kundgebung auf dem Sulzer Marktplatz die Reden. Darunter sind auch viele Flüchtlinge. Fotos: Danner Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Marcella Danner

Ob’s nun der Eiseskälte oder der Wiederholung der Kundgebung parallel zur AfD-Veranstaltung in der Stadthalle geschuldet war – jedenfalls versammelten sich gestern Abend deutlich weniger Menschen auf dem Marktplatz als noch vor einigen Wochen.

Sulz. "Ich glaube, im Backsteinbau ist es kälter", konnte sich Frank Börnard vom Bürgerarbeitskreis einen Seitenhieb nicht verkneifen. Immerhin – rund 100 Teilnehmer harrten bei Minusgraden bis zum Schluss aus. Veranstalter der Kundgebung waren der Bürgerarbeitskreis Sulz, der Arbeitskreis Flucht und Asyl, die evangelische Kirchengemeinde Sulz, die katholische Kirchengemeinde Sulz/Vöhringen, der SPD-Ortsverein und die Grün Alternative Liste.

Und obgleich die Organisatoren im Vorfeld darauf hingewiesen hatte, dass es sich nicht um eine Gegenveranstaltung zur AfD handle, scheute sich doch Gabriele Brucker von der GAL nicht, Ross und Reiter zu nennen. Die AfD verbreite menschenfeindliche Parolen, sagte die Sulzer Stadträtin. Sie frage sich aber auch, welche Moral dahinter stecke, wenn man in Deutschland gebetsmühlenartig wiederhole, man wolle die Flüchtlingsursachen bekämpfen und zugleich der drittgrößte Waffenexporteur auf der Welt sei.

In dieselbe Kerbe hieb Klaus Schätzle vom SPD-Ortsverein. Schlussendlich habe Europa sehr viel zu den Fluchtursachen beigetragen. Man müsse sich etwa vor Augen führen, dass jeder Export in andere Länder dazu führe, dass dort Arbeitsplätze wegfielen.

Das könne nicht so weitergehen. Er rief jeden dazu auf, der ihm jeweils nahestehenden politischen Partei gewaltig auf die Füße zu treten. Von Leitkultur halte er nicht viel. Ihm genüge das Grundgesetz, das unumstößlich sei "und unsere Rechte und unsere Freiheit garantiert."

Auch die Kirchen meldeten sich gestern wieder zu Wort. Dekan Ulrich Vallon warnte davor, sich von der Angst, die momentan von einigen geschürt werde, leiten zu lassen. Wenn Deutschland einen Rechtsruck mache, wie ihn einige der europäische Nachbarn bereits vollzogen hätten, dann "geben wir alles auf, dann verlieren wir unsere Menschenrechte, dann verlieren wir unseren Glauben." Es gelte zu differenzieren statt zu pauschalisieren.

Für die katholische Kirchengemeinde mahnte Gemeindereferentin Monika Prillwitz zum gegenseitigen Respekt voreinander. Nur so sei das Zusammenleben unterschiedlicher Volksgruppen in einem Land möglich.

Paul T. Müller sprach von den Flüchtlingen als Herausforderung, die die globalisierte Welt mit sich bringe. Die Vorteile der sich immer enger vernetzenden Welt genieße man ja schließlich auch. Einigeln helfe da nicht. Man müsse sich der Herausforderung stellen. "Angst lähmt." Er habe Hoffnung, dass ein gedeihliches Zusammenleben auch zum Nutzen der Gesellschaft möglich sei. "Hoffnung gibt Kraft."

Der Glatter Ortsvorsteher Helmut Pfister berichtete von seinen Erfahrungen mit dem syrischen Flüchtlingen in seinem Ortsteil. Ein paar Tage nach deren Ankunft habe man gegenseitiges Vertrauen gefasst. Wenn es gelinge, die Flüchtlinge zu integrieren, so seien diese eine Bereicherung für Deutschland, ist er überzeugt.

Verfassung und Gesetze anerkennen

Thomas Schlachta erklärte, er möchte immer offen und interessiert auf sein Gegenüber zugehen und mit Toleranz und ohne Vorurteile auf neue Situationen reagieren.

Er möchte aber auch, dass sich diese Menschen, die hier zu Gast seien, benähmen, die Verfassung und die Gesetze anerkennen, was die überwiegende Mehrheit auch tue. Jene aber, die durch schändliche und verabscheuungswürdige Untaten all die anderen unbescholtenen Menschen in Misskredit brächten, müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Er warnte davor, alle über einen Kamm zu scheren.

Neben zwei Flüchtlingen, die extra aus Schenkenzell gekommen waren und sich für ihre Aufnahme in Deutschland bedankten, sprach auch der Syrer Basel Kharof, der in Glatt untergebracht ist. Er komme zwar aus einem Land, in dem keine Gesetze mehr gälten. Ihm sei jedoch bei seiner Ankunft hier von Sami Kayat, die übrigens gestern auch als Übersetzerin fungierte, beigebracht worden, dass es in Deutschland Gesetze gebe, die man zu respektieren habe. Wer sich nicht an sie halte, so Kharof, der müsse zurück geschickt werden.

Karin Schmidke mit ihrem Dudelsack und Gabi Réti mit ihrer Gitarre sorgten für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung. Als Réti "Imagine" von John Lennon anstimmte, sangen die Menschen auf dem Sulzer Marktplatz mit.

"Wir stehen für einen bewusst optimistischen, menschlichen und konstruktiven Umgang mit den Herausforderungen durch die Menschen, die aus größter Not, Unterdrückung und Gewalt zu uns flüchten", sagte Frank Börnard in seinem Schlusswort.

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