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Sulz a. N. Freiheit und gute Laune regieren

Cristina Priotto, vom 17.02.2012 02:00 Uhr
Schaurige Klänge und aufsteigender Rauch begleiteten den wilden Tanz der Sulzer Hexen auf dem Marktplatz. Foto: Priotto
Schaurige Klänge und aufsteigender Rauch begleiteten den wilden Tanz der Sulzer Hexen auf dem Marktplatz. Foto: Priotto

Sulz - Zumindest einmal im Jahr hat im Sulzer Rathaus auch offiziell eine Frau etwas zu sagen. Zunftmeisterin Uschi Leinert las dem Schultes gestern Abend ordentlich die Leviten. Die Hexen zeigten einen wilden Tanz und spektakuläre Flüge vom Becherberg.Die gegenseitigen Sticheleien von Bürgermeister Gerd Hieber und der Chefin der Narrenzunft, Uschi Leinert, am Schmotzigen auf dem Marktplatz sind für die Zuhörer stets ein unterhaltsamer Auftakt in "die narret Zeit". Erstaunlich viel weiß das ungleiche Duo darüber, was dem jeweils anderen das Jahr über an Peinlichkeiten und Missgeschicken passiert ist.

So verriet der Stadtschultes etwa, dass die Zunftchefin, die an der Fasnet die Richtung vorgibt, bei einer Kreuzfahrt offenbar nicht wusste, wo bei dem Schiff der Bug und wo das Heck zu finden sei. Den für die AIDA-Schiffe typischen Kussmund jedenfalls suchte Uschi Leinert wohl zunächst an der Rückseite des Schiffs. Hieber empfahl der Zunftchefin, sich das seemännische Grundwissen beim Rudern auf dem Neckar anzueignen, um sich künftig nicht mehr zu blamieren.

In puncto fehlender Orientierung konterte Leinert sofort mit einem Gegenvorschlag: "Ich bin jo net die oinzig, wo äbbes sucht", verteidigte die Narrenchefin ihre Urlaubs-Anekdote. Auswärtige suchten auch nach zwei Jahren noch vergebens nach einem Wegweiser zum Backsteinbau. Dafür hatte Uschi Leinert aber prompt eine Lösung: "Mir deand oifach dich auf d'Stroß nastella, no kasch du dia Bus eiweisa mit dr Kella", stellte sie dem Bürgermeister einen neuen Wirkungsort in Aussicht.

Vom Sulzer Prestige-Bau zum stillen Örtchen schlug der gescholtene Schultes anschließend den Bogen: Man habe ihm zugetragen, dass die Zunftchefin bei einer Weihnachtsfeier nur mit Hilfe ihres Mobiltelefons und dank der Unterstützung von Kollegen den Weg von der Toilette zurück ins Lokal gefunden habe, spöttelte Hieber.

Trotz aller Neckereien scheint der Schultes die Zunftchefin aber zum Fressen gern zu haben – und zwar buchstäblich: Als die Hieber'schen Hasen Junge bekamen, erhielten diese Namen nach Figuren und Mitgliedern der Narrenzunft. Mit "Hexi", "Salzi", Pessi" und "Opti" mochte sich die Narrenchefin ja noch abfinden. Dass eines der Langohren – noch dazu ein Männchen – nach ihr benannt wurde, missfiel Uschi Leinert dann aber doch sehr. Am allerdreistesten fand die Namenspatin eines der Bürgermeister-Hasen jedoch, dass der "Uschi"-Hase von Familie Hieber geschlachtet und verspeist wurde. Da half nur noch eines: Gerd Hieber wurde zur Strafe in Ketten gelegt und muss jetzt bis Aschermittwoch den Narren die Macht überlassen. Nachdem der Stadtschultes vorübergehend seines Amtes enthoben worden war, stürzten sich die Hexen unter lautem Getöse und mit viel Rauch zu ihren waghalsigen Flügen vom Becherberg. Dort zeigten die wilden Gesellen anschließend ihren Tanz, den hunderte Zuschauer begeistert verfolgten. Nach dem Narrensprung der Weißnarren ging das muntere Treiben in den Lokalen der Innenstadt noch lange weiter.

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