
Von Cristina Priotto Sulz. In Sulz scheint die Regel zu gelten: Wenn ein Missgeschick passiert, egal ob privat oder öffentlich, erfahren es über kurz oder lang auch die Breagler. Im vergangenen Jahr hat sich so einiges angesammelt, das sich für närrischen Spott bestens eignete.
Das Thema Daimler nahmen einige Breagler zum Anlass, sich Gedanken über die Entwicklung der städtischen Infrastruktur zu machen, nachdem die mindestens 300 erhofften Arbeitsplätze und die entsprechende Kaufkraft jetzt ausbleiben – weil "so a paar Baura des net hen wella".
Insbesondere, was den Einzelhandel betrifft, liegt nach Auffassung der Narren einiges im Argen. Reichlich trostlos waren deshalb die Eindrücke eines Breaglers bei seinem Bummel entlang der "Sulzer Einkaufsmeile": Vielerorts fand er nur dunkle und leere Schaufenster vor.
Einen Tipp gegen Leerstände hatten die Breagler auch prompt: "An Eimer Farb tät manchmol net schade, wenn ma verpachta will sein Lada". Alternativ könne sich Sulz als Standort für ein Großgefängnis bewerben und damit die leeren Ladenzellen füllen.
Buchstäblich ins Wasser fiel die Tour eines prominenten Sulzer Narren: Da seine Gattin die Jacken zu Hause vergessen hatte, wurde der Besuch einer Freiluftaufführung zu einem zweifelhaft feucht-fröhlichen Vergnügen.
Dass die schwäbische Sparsamkeit zuweilen merkwürdige Blüten treibt, wusste ein anderer Breagler: Reisefreudige Sulzerinnen brachten aus Hamburg einen Sack voll dort gesammelter Flaschen mit, weil sie sich das Pfandgeld nicht entgehen lassen wollten.
Auch Stielaugen können sich täuschen, wie die Anekdote eines Mannes bewies: Beim Tanken in der Stuttgarter Straße erspähte er vermeintlich eine leichtbekleidete Frau auf einem Balkon und winkte ihr zu. Die unbekannte Schöne reagierte jedoch nicht – wenig verwunderlich, handelte es sich doch nur um eine lebensgroße Puppe.
Schwer ins Schwitzen geriet ein Heiratswilliger, der vor der Trauung in der Kirche bange Minuten warten musste, bis seine Holde schließlich reichlich verspätet auftauchte.
Ganz schön irritiert war ein CDU-Urgestein, als er bei einer Wanderung nahe der Vöhringer "Rötenmühle" eine Gruppe Schotten entdeckte. Wie er später erfuhr, handelte es sich bei den Rockträgern um verkleidete Pink Pämpärs.
Bekanntlich ist nicht jeder gestandene Mann selbstständig genug, um genügend und vor allem die richtige Kleidung für die Urlaubsreise einzupacken. Für einen Sulzer hatte dies daher die fürsorgliche Gattin übernommen. Blöd nur, dass ihr Gespons den gerichteten Koffer schlichtweg stehenließ. Am Urlaubsziel machte der Mann jedoch aus der Not eine Tugend – und ließ sich von netten Verkäuferinnen von Kopf bis Fuß neu einkleiden. Seither hält sich hartnäckig das Gerücht, er sei an seinem österreichischen Urlaubsdomizil bei der Wahl zum "Mister Austria" in die engere Auswahl gekommen.
Jenseits der Sulzer Stadtgrenzen haben aufmerksame Breagler ebenfalls so manch kuriose Begebenheit aufgespürt: Im Stuttgarter Schlossgarten entdeckten sie etwa brezelförmige Gebilde, die die Parkschützer hinterlassen hatten. Allerdings waren diese nicht aus Laugenteig.
Offensichtlich haben sich die lokalen Kommunalpolitiker im vergangenen Jahr nichts oder zumindest nichts Auffälliges zu Schulden kommen lassen. Dafür widmeten die Sulzer Breagler Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Bundespräsidenten Christian Wulff alias "Wulff im Schafspelz" einige treffende Reime und wenig schmeichelhafte Bilder.
Auch die amourösen Eskapaden des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi nahmen die Narren auf die Schippe, wobei nicht nur die Feder, mit der sie die entsprechenden Bilder gezeichnet hatten, spitz war.
Weniger gut bestückt waren die Tomatensträucher eines Sulzer Hobby-Gärtners. Um sich vor seinen kritischen Verwandten keine Blöße zu geben, band der einfallsreiche Mann daher prachtvolle gekaufte Tomaten an seine kümmerlichen Pflanzen.
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Diese leidige Erfahrung machte eine Familie, die bange Stunden erlebte, als ihnen eine unbekannte Stimme telefonisch mitteilte, sie hätten in Frankreich ein geliehenes Boot versenkt. Der Anruf stellte sich als Farce heraus. Für die Breagler war es allerdings eine gute Steilvorlage.