Von Hanni Vollmer

Sulz. Strahlende Musiker in einer strahlenden Stadt – auch das dritte Neujahrskonzert im Backsteingebäude wurde wieder umjubelt.

Minutenlange Standing Ovations von 850 Zuhörern erhielten das hervorragend aufeinander eingespielte Residenz-Orchester Baden-Württemberg, sein mitreißender Dirigent Sven Gnass und die brillanten Vokalisten für ein fantastisches Koloraturenfeuerwerk. Die von Sven Gnass sorgfältig ausgewählten Stücke aus den Bereichen Filmmusik, Musical und Operette, fantasievoll zueinandergestellt, wurden vom Publikum begeistert angenommen. Eine eindeutig positive Reaktion auf die neuen Wege des Orchesters, an Neujahr Klassik mit Unterhaltungsmusik zu verbinden.

Wie es ist, wenn Musik die Seele berührt, bekamen die Zuhörer bei "Forgotten Dreams" zu spüren. Das Werk stammt vom US-amerikanischen Komponisten Leroy Anderson, mit dem Pianist wie Orchester den Konzertabend ruhig in langsamen Tempi mit melancholischem Zauber eröffneten. Kokett gab sich Sopranistin Katharina Göres in "Les filles de Cadix aiment cela" zu markant-rhythmischer Kastagnetten-Begleitung. Mit feinem nuanciertem Timbre sang Tenor Michael Pflumm die Arie "Donna è mobile" aus Giuseppe Verdis Oper "Rigoletto". Hingerissen lauschte das Publikum der Erstaufführung von Georg F. Mayers Arrangement "Nella Fantasia" von Ennio Morricone aus dem Film "The Mission", und Kevin Tarte erntete Bravo-Rufe für seine strahlende Stimme. Tarte ist gebürtiger US-Amerikaner und arbeitet seit 1988 in Deutschland. So kennt man den gefragten Tenor aus Musical-Produktionen wie "Cats", "Die Schöne und das Biest" oder "Tanz der Vampire".

Neckisch plauderten Katharina Göres und Michael Pflumm in "Schenkt man sich Rosen in Tirol" aus dem "Vogelhändler". Großen Applaus und wieder Bravo-Rufe bekam Kevin Tarte für seine verblümte Liebeserklärung "If I loved you" aus dem Musical "The Carousel" von Richard Rodgers, arrangiert von Georg F. Mayer. "Belle of the Ball" von Leroy Anderson – diese hinreißende in Tanzstimmung versetzende Walzermelodie interpretierte das Orchester mit lebendiger Nonchalance.

Während der Pause klirrten im Foyer Hunderte von perlenden Sektgläsern zum Prosit-Neujahr dank des fleißigen Einsatzes des Bürger- und Kulturvereins Glatt.

Den zweiten Teil des Konzerts begann das Orchester mit "Serenata" im flotten 4/4-Takt von Leroy Anderson. "Un bacio ti darei" von Lugi Arditi, bekannt als Gesangswalzer, trug Katharina Göres klar und erfrischend anmutig vor. Michael Pflumm sang sich in die Herzen des Publikums mit dem bezaubernden, farbenprächtigen neapolitanischen Liebeslied "Torno a Surriento" von Ernesto de Curtis, und auch hier sparte das Publikum nicht mit Bravo-Rufen.

In verschiedenen Musikstücken von Anderson tauchen immer wieder ungewöhnliche "Instrumente" auf. So wurde im "Sandpaper Ballet" Schleifpapier eingesetzt. Der Sulzer Solo-Schlagzeuger Pascal Klaiber setzte dieses Instrumentarium als Hausmeister verkleidet bravourös ein.

Von Charles Trenet, der in Frankreich auch heute noch ein musikalisches Nationalheiligtum ist, sang Kevin Tarte virtuos die englische Fassung des Chansons "Que reste-il de nos amours", durch Frank Sinatra weltweit bekannt geworden, "I wish you love" mit Arrangeur Georg F. Mayer am Saxofon. Auch mit dem nächsten Arrangement von Mayer "How do you keep the music playing" von Michel Legrand erntete Kevin Tarte Bravo-Rufe.

Mit innerer Dynamik ließ Dirigent Sven Gnass das Orchester feurig-intensiv und technisch brillant das sehr schwierige Stück "Fiddle-Faddle" von Leroy Anderson aus dem Genre der klassischen Popmusik spielen. Wer kennt ihn nicht, den Song, der Emotion und Gänsehaut erzeugt, "The Prayer", gesungen von Céline Dion und Andrea Bocelli? Katharina Göres und Kevin Tarte zeigten in diesem Duett von David Foster ihre große Darstellungsfähigkeit und Stimmenwirkung.

Vergnüglich reagierte das Publikum auf die wilde Pferdeschlittenfahrt "Sleigh Ride" von Leroy Anderson mit Glockengeläut, Peitschen und Pferdegewieher. Die weltweit bekannte Liebeserklärung an Wien "Wien, Wien nur Du allein" von Rudolf Sieczynski sangen Katharina Göres, Kevin Tarte und Michael Pflumm als erste Zugabe gefolgt von "O sole mio" von Eduardo di Capua. Und das Publikum war begeistert von dem Trio und vom begleitenden Orchester. Ein großer Abend – den die über 60 Instrumentalisten mit dem Marsch aller Märsche, dem berühmten Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater, ausklingen ließen.