Sulz a. N. Ein Ehevertrag lässt schmunzeln

Ingrid Vögele, 31.08.2012 10:08 Uhr

Sulz-Glatt - Dezente mittelalterliche Lauten- und Schalmeienklänge empfangen den Besucher im Adelsmuseum. Der erste Raum wird von der beleuchteten Darstellung der Grabplatte des Ritters Reinhard von Neuneck beherrscht, der das mittelalterliche Wasserschloss im Renaissance-Stil umgestaltete.

Er gilt als der berühmteste Neunecker unter vier Brüdern. "Er war nie verheiratet, hatte aber mit seiner Haushälterin, Anna Schmidin, eine uneheliche Tochter, Barbara", beginnt die lebendige Schilderung von Evi Hoffmann, die sich mit adligen Frauen befasste, speziell mit denen aus dem Geschlecht von Neuneck und dem oberen Neckar.

Diese Barbara wurde zwischen 1536 und 1538 geboren. Reinhard war damals bereits 62 Jahre alt. Sein Gesuch zur Legitimierung seiner Tochter wurde erst vier Jahre nach seinem Tod bewilligt. Zu dem Zeitpunkt aber schon verheiratet mit dem Horber Bürgermeister Hans Hettinger, konnte sie sich also nicht mehr Barbara von Neuneck nennen. Nebenbei wird der Besucher in den angrenzenden Raum geleitet, welcher dem adligen Frauenleben und der Familie gewidmet ist. Am 22. Januar 1515 wurde Magdalena von Ehingen Reinhards Bruder, Wildhans von Neuneck, zur Ehe versprochen.

Im Ehevertrag, manche Passagen lassen schmunzeln, geht es jeweils um eine stattliche Mitgift und Morgengabe, die damals bereits gewinnbringend angelegt wurde, ebenso um hohe materielle Absicherung für ein standesgemäßes Auskommen im Falle des Todes von Wildhans. Aus der 14-jährigen Ehe gingen acht Kinder hervor.

Vorsichtiger Umgang mit Geld

1529 wurde sie Witwe, sie heiratete nicht mehr, damals absolut unüblich. Zielstrebig förderte sie die Karriere ihrer Kinder. In Geldangelegenheiten erwies sie sich als sehr umsichtig und ihr wachsendes Vermögen ermöglichte ihr, Geld zu hohen Zinssätzen zu verleihen, sogar an König Ferdinand.

Mit der umliegenden Ritterschaft führte sie persönlich die Korrespondenz. Standhaft und selbstbewusst blieb sie dem Katholizismus treu, wehrte sich auch gegen das sie benachteiligende Testament ihres Bruders und wurde nie durch männliche Verwandte bevormundet.

Am 5. März starb sie im Alter von 75 Jahren. Von einer weiteren Adligen, Rosina, Markgräfin von Baden, erfährt man, dass sie 1493 bereits im Alter von sechs Jahren dem Zollerngrafen Franz Wolfgang versprochen wurde. Bis zum Erreichen der Geschlechtsreife wurde sie von ihrer Schwiegermutter erzogen. Mit 16 Jahren heiratete sie dann 1503 den Zollerngrafen, der nach Hoffmanns Beschreibung alles andere als ein liebevoller Gatte und Vater war. Schon 1517 starb Franz Wolfgang und hinterließ eine Witwe mit fünf unmündigen Kindern. Rosina, sich über alle Konventionen hinwegsetzend, heiratete zehn Jahre später, ohne Wissen und Willen ihrer Brüder, den weitaus jüngeren geliebten Hans von Ow zu Wachendorf, der zuvor ihr Diener im Zollernhause gewesen war. Von ihren Untertanen immer verehrt, verschied sie am 27. Oktober 1554 in Wachendorf. Stolz führt Evi Hoffmann ihre Gäste gern ins Preußenzimmer, ausgestattet mit Möbeln aus der Zollernburg. Herzstück ist der Paravent der Fürstin Amalie Zephyrine von Salm-Kyrburg. Zuvor in Paris lebend, heiratete sie den Fürsten Aloys von Hohenzollern-Sigmaringen.

Nach der Geburt des ersten Kindes und dieses zurücklassend, floh sie in einer "Nacht-und Nebelaktion", verkleidet als Mann aus der "unerträglich, einengenden" Umgebung wieder nach Paris. 1803 erkor Josephine Beauharnais, die Gattin Napoleons, sie zu ihrer Vertrauten und die Fürstin wurde dadurch zur "Retterin Hohenzollerns".

In ihren Führungen geht es Evi Hoffmann nicht nur um die historisch richtige Abfolge, sondern auch um die Lebensumstände, die Mentalität und die Privatsphäre der Frauen. Und das Ganze in historischer Kleidung präsentiert, wird so ein Eintauchen in die Geschichte zum Genuss.

Weitere Informationen: Führungen nach Vereinbarung, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag 11 bis 18 Uhr

 
 
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