Von Ingrid Vögele

Sulz. Die Lina-Hähnle-Realschule hatte Schüler, Eltern und Lehrer am Dienstag in die Stadthalle zur Weihnachtsfeier eingeladen. Den Abend eröffnete die Bläsergruppe mit dem festlichen "Prélude" aus dem "Te Deum" von Charpentier.

"Sie haben mir ein Päckchen mit Zeit unter den Weihnachtsbaum gelegt", freute sich Rektor Dieter Traichel angesichts des großen Interesses an der Feier. Ein arbeitsreiches Jahr gehe turbulent zu Ende, man brauche Ruhe. "In der Ruhe liegt die Kraft", zitierte er, "Kraft, die neue Visionen schafft um voranzukommen". Eine solche Vision sei die Friedensvision. Ist die Weihnachtszeit eine friedliche Zeit? Gewalt, Kriege und Kleinkriege in der persönlichen Umgebung würden täglich erlebt. Für Traichel sind Gewaltvideospielen oder entsprechende Darstellungen im Internet Auslöser für viele Nachahmungstäter. Frieden beschrieb er als unaufdringlich und leise, ohne Sensationsmedien. Friede zeige sich im Respekt vor den Mitmenschen und Mitschülern. "Es möge uns gelingen, Friedensvorbilder zu sein, Zeit füreinander zu haben, um damit eine gute Basis für das Zusammenleben zu schaffen", war sein Wunsch an alle.

Erhaben erklang das "Trumpet Voluntary" von der Bläsergruppe. Untermalt durch Schlagzeug und E-Gitarre vermochten die barocken Stücke auch gleich die Besucher zu begeistern. Der Unterstufenchor stellte einmal mehr sein Können unter Beweis. In einem Solo lebte das Weihnachtsgeschehen in der "Royal David’s City" auf, zart begleitet durch den Chor und im "Jubilate" hinausgetragen in die Welt. Das flotte "Calypso Gloria", begleitet von Saxofon und Cajon, lateinisch gesungen, begeisterte Alt und Jung gleichermaßen. Mit Michael Jackson gab die Schülerband II ihr tolles Debüt in einem solchen Rahmen. Richtig rockig gefiel auch "Oh Love", ein sicherer Auftritt wurde mit Klatschten sofort noch unterstützt.

Das Programm versprach mit einem Hornquintett etwas ganz Besonderes. Stille senkte sich über die Halle, als warmer Hörnerklang den "Andachtsjodler" und die weiche Melodie von "Es wird scho gleich dumper" intonierte und damit vielen aus der Seele sprach.

Hinter der Bühne tat sich etwas. Die Klasse 6b hatte sich zum Thema "Weihnachten" Gedanken gemacht und diese bühnenreif umgesetzt. "Stressig schöne Weihnachten" hielt den Gästen einen Spiegel vor, wie es in diesen Tagen zugeht. Zwei Straßenarbeiter im Einsatz beklagten sich, dass "in Mettstett so viel Schnee" liege. Oder ein Postbote bringt seine "vielen Päckle lieber", wenn die Leute sich freuen. Zwei Nikoläuse beklagten die Undankbarkeit der Kinder. Nachdenklich stimmten auch die Gedanken einer Oma, die "bereits ein halbes Jahr ihre Rente spart", denn sie sei froh, "wenn die Kinder glücklich sind". Ein großer Applaus war diese überzeugende Leistung wert. Auf der Bühne drängten sich nun die "freiwilligen" Sänger aus den Klassen neun und zehn, unterstützt von den "Kunstsängern". Geübte Stimmen kündeten in zwei Spirituals vom Geschehen in der heiligen Nacht. Den Mienen abzulesen war die Begeisterung beim eindringlichen "Mary’s Boychild", durch Solopartien bereichert. Die feinen Engelstöne konnten deutlicher nicht wahrgenommen werden. Klassische Musik "in einer wilden Besetzung", wie Hermann Schupp es beschrieb, ließ höfische Schreittänze in "drei Renaissance-Tänzen" nachempfinden. Den Applaus dafür durfte das Lehrerensemble entgegennehmen.

In einen Konzertsaal versetzte die Schülerband I die Anwesenden. "Christmas must be tonight" und "Last Christmas" entsprach dem Geschmack der jungen Leute, und der rockige Sound lud alle zum Mitmachen ein. Keine Weihnachtsfeier ohne Lehrerchor – sichtbares Zeichen des gemeinsamen Arbeitens und Feierns mit "ihren" Kindern. Mit den Eltern noch im Bunde, begleitete der von allen gesungene Schlusskanon nach Hause.