Stuttgart - Drei außer Kontrolle geratene Güterwaggons hätten am frühen Freitagmorgen in Stuttgart fast eine Katastrophe verursacht. Gegen 4 Uhr machte sich ein Gespann von drei Waggons mit tonnenschweren Gleisen in Kornwestheim selbstständig und raste auf abschüssiger Strecke in den Bahnhof von Stuttgart-Feuerbach, wie die Polizei mitteilte. Die halb offenen Waggons sprangen aus den Gleisen und zermalmten einen Bahnsteig. Dieser war um diese Uhrzeit noch menschenleer, nur zwei Stunden später hätten hier wohl Dutzende Pendler gestanden.

Ein Fahrdienstleiter hatte geistesgegenwärtig die Weichen umgestellt und das Gespann auf ein Abstellgleis geleitet - ansonsten wären die Waggons mit hohem Tempo in Richtung Stuttgart-Hauptbahnhof weitergerollt. Der Vorfall hatte bereits am frühen Vormittag ein Chaos im Zugverkehr in der Landeshauptstadt ausgelöst. Nah- und Fernverkehr der Bahn war über Stunden erheblich eingeschränkt. Tausende Pendler mussten bei Schnee und Regen Verspätungen und Zugausfälle in Kauf nehmen.

Fotostrecke46 Fotos

Die Waggons hatten am Bahnhof Feuerbach einen Prellbock durchschlagen und waren entgleist. Sie rissen Oberleitungen und mehrere Träger des Bahnhofdaches mit sich und zogen eine Spur der Verwüstung, bevor sie mitten auf der Plattform zum Stehen kamen. Ein Teil des Daches stürzte ein. Auf zwei Gleisen lagen Betonbrocken und Metallteile.

Warum die Waggons im Güterbahnhof in Kornwestheim ins Rollen geraten waren, blieb zunächst unklar. Abgestellte Güterwaggons werden in der Regel durch eine mechanische Bremse oder einen Keil, einen sogenannten „Hemmschuh“, gesichert, sagte ein Bahnsprecher. Ermittler des Eisenbahn-Bundesamts sollen nun prüfen, wie sich das Gespann mitten in der Nacht selbstständig machen konnte.

Der ehemalige Leiter des Stuttgarter Hauptbahnhofs, Egon Hopfenzitz, geht davon aus, dass die Waggons ungesichert abgestellt wurden. Ob dies bei den Waggons aus Kornwestheim der Fall war, müsse sich schnell überprüfen lassen. Wie ein Sprecher der Bahn mitteilte, werde ein 75 Tonnen schwerer Kran eingesetzt, um schwere Eisenelemente und die Waggons von den Bahnsteigen zu räumen.

Regionalbahnen aus Karlsruhe, Heidelberg, Würzburg und Neckarelz in Richtung Landeshauptstadt konnten nicht bis Stuttgart durchfahren. Auch eine der sechs Stuttgarter S-Bahn-Linien hielt an einer früheren Endstation als üblich. In dem betroffenen Bahnhof im Ortsteil Feuerbach hielten am Freitagmorgen überhaupt keine S-Bahnen. Auch für den Fernverkehr kündigte die Bahn auf ihrer Webseite mögliche Verspätungen an, diese beliefen sich aber am Vormittag nur auf wenige Minuten.

 
          1