Stuttgart Stadt verfehlt Ziel bei der Kleinkindbetreuung

Barbara Czimmer-Gauss, 21.07.2012 09:00 Uhr

Stuttgart - Für berufstätige Eltern ist die Ganztagsbetreuung ihrer Kinder pure Notwendigkeit und inzwischen politisch unumstritten. Doch ausgerechnet jetzt erreicht die Eltern eine Hiobsbotschaft: Die Spätbetreuung der Kinder zwischen 16 und 17 Uhr ist nicht gesichert.

Das hat jüngst Michael Piwonski, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats der Stuttgarter Kitas, bei einer Elternbeiratssitzung seiner Kita erfahren. Die neue Mindestpersonalverordnung verbietet, dass die Mitarbeiterinnen, die während der Kernzeit da sind, nach 16 Uhr für die Betreuung zuständig sind. Außerdem muss eine Fachkraft mehr als bisher anwesend sein. Doch es fehlt an allen Ecken und Enden an Personal.

Mehr Personal für eine Spätbetreuung

Zurzeit gilt: Wer um 16 Uhr sein Kind noch nicht abholen kann, hat die Möglichkeit, eine Stunde Spätbetreuung zusätzlich zu buchen. „Wir waren bisher kulant“, sagt Heinrich Korn, der stellvertretende Jugendamtsleiter der Stadt Stuttgart. Auch wenn niemand einen Spätdienst gebucht hatte, war zumindest bis 16.30 Uhr eine Erzieherin anwesend, um Verspätungen der Eltern aufzufangen. „In einer Übergangszeit können wir das so belassen“, sagt Korn, „das haben wir den Eltern wohl nicht unmissverständlich genug mitgeteilt.“

Die Stadt kommt auf lange Sicht aber nicht darum herum, zusätzliches Personal einzustellen – für die zurzeit rund 100 unbesetzte Stellen, für die Spätbetreuung und um den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz auch für unter Dreijährige zu erfüllen.

Letzteres hängt nicht allein vom Personal ab. „Trotz der zahlreich beschlossenen Vorhaben der letzten Jahre zeichnet sich ab, dass bis August 2013 nicht ausreichend Plätze für Kleinkinder zur Verfügung stehen“, lautet das Fazit des Jugendamts. Die Fachverwaltung hat jetzt einen Zwischenstand über das Betreuungsangebot veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass zum 1. März diesen Jahres für 16 128 Kleinkinder nur 5495 Plätze zur Verfügung stehen, inklusive der Angebote von freien und kirchlichen Trägern sowie der Betriebskindertagesstätten.

Versorgungsgrad soll auf 43 Prozent verbessert werden

Bis Ende 2013 sollen weitere 1501 Plätze geschaffen werden, wodurch der Versorgungsgrad von derzeit 34 auf 43 Prozent verbessert werden kann. Seit dem jüngsten Wartelistenabgleich aber ist gewiss, dass für mindestens 60 Prozent der Kleinkinder eine Betreuung gesucht wird und somit mindestens 2680 Plätze fehlen werden.

Nicht nur die große Nachfrage bringt die Stadt in Bedrängnis, sondern auch die lange Dauer vom Beschluss bis zur Inbetriebnahme neuer Plätze, stellt die Fachverwaltung fest. Umplanungen, baurechtliche Probleme, Baugenehmigungsverfahren, schwierige Mietverhandlungen seien dafür Ursache.

Unzufriedenheit wird es auch weiterhin bei Eltern von Drei- bis Sechsjährigen geben: Dort suchen mindestens 70 Prozent der Eltern einen Ganztagsplatz, doch nur knapp über die Hälfte werden bis Ende 2013 auch einen Platz finden. Ähnlich ergeht es Familien mit Schulkindern, die bis jetzt keinen Hortplatz haben. Der Versorgungsgrad liegt bei rund 20 Prozent, weitere Hortplätze werden nicht geschaffen, weil die Stadt auf den Ausbau der Schülerhäuser setzt.

 
 
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