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Stuttgart Katja Wünsche verlässt Stuttgarter Ballett

Andrea Kachelrieß, vom 16.01.2012 17:11 Uhr
Katja Wünsche und William Moore Foto: Beutenmüller
Katja Wünsche und William Moore Foto: Beutenmüller

Stuttgart – Wenn Christian Spuck im August sein Amt als Direktor des Zürcher Balletts antritt, muss er das nicht ohne Beistand tun. Katja Wünsche und William Moore unterstützen den scheidenden Stuttgarter Hauschoreografen beim Neustart. Die beiden Solisten verlassen zum Saisonende das Stuttgarter Ballett. -

Er wolle das Zürcher Ballett weitgehend ­unverändert übernehmen, sagte Christian Spuck im Gespräch mit unserer Zeitung vor einem Jahr, als bekanntwurde, dass der Stuttgarter Hauschoreograf der Nachfolger von Heinz Spoerli sein wird. „Es ist nicht mein Wunsch“, so Spuck damals, „mit dem halben Stuttgarter Ballett im Gepäck nach Zürich umzusiedeln. Das halte ich für einen ganz gravierenden Fehler. Insofern unterscheide ich mich von Uwe Scholz, der einst ja ebenfalls von Stuttgart nach Zürich ging.“ -

Mit Uwe Scholz wechselten 1985 acht Tänzer in die Schweiz. Dass einer, der wie Christian Spuck viele Jahre mit den Stuttgarter Tänzern gearbeitet hat, alleine von dannen ziehen wird, das zu glauben, wäre dann aber doch recht blauäugig gewesen. Es ist zwar nicht das „halbe Stuttgarter Ballett“, dessen Weggang zum Ende der Spielzeit 2011/2012 die Kompanie nun vermelden muss. Mit ­Katja Wünsche und William Moore verliert sie aber zwei besonders profilierte Protagonisten. Vor allem in modernen Rollen, die Choreografen und häufig eben Christian Spuck im Dialog mit ihnen erarbeiteten, bewiesen die beiden Ersten Solisten enorme Präsenz. Der gefühlte Verlust wird für viele Ballettfans also doch recht groß sein – und das Opernhaus in Zürich um den ein oder anderen Gast aus Stuttgart reicher.

„Hochkarätige Ausnahmekünstler“

Das Zürcher Publikum darf sich auf zwei Tänzer freuen, die sein neuer Ballettdirektor mit viel Lob ankündigt, schließlich haben beide den Choreografen in ihm immer wieder inspiriert: „Beide sind hochkarätige Ausnahmekünstler, die im klassischen wie im modernen Ballett zu Hause sind und zudem über große Präsenz und schauspielerisches Können verfügen“, sagt Christian Spuck über Katja Wünsche und William Moore.

Reid Anderson, der als Tänzer mit großen Schrittmachern wie John Cranko, Glen Tetley, John Neumeier und William Forsythe arbeitete und der selbst erlebt hat, dass die Berufung eines Tänzerkollegen zum Ballettdirektor auch immer den Weggang weiteren Tänzerkollegen mit sich brachte, hat folglich Verständnis für die Entscheidung der beiden: „Sie folgen einem großartigen Choreografen, der für sie sicherlich weiterhin schöne Rollen kreieren wird, um intensiv mit ihm zu arbeiten. Wir werden alle drei hier in Stuttgart sehr vermissen, aber wir wünschen ihnen beim Neustart in Zürich von ganzem Herzen viel Erfolg.“

Vergangene Saison hatten Katja Wünsche und William Moore in Stuttgart mit Christian Spuck die Hauptrollen in ­„Leonce und Lena“ einstudiert; in dieser Spielzeit sind beide in wichtigen Partien an seiner für den 10. Februar geplanten Uraufführung „Das Fräulein von S.“ beteiligt. ­Besonders Katja Wünsche, die in der Rolle der Tochter des mordenden Goldschmieds Cardillac für die nächste Premiere des Stuttgarter Balletts medienwirksam mit blutigem Collier um den Hals wirbt, verbindet viel mit Christian Spuck. Die gebürtige Dres­dnerin war an der Entstehung vieler seiner Stücke beteiligt; die Karriere Katja Wünsches, die 1999 von der Staatlichen Ballettschule in Berlin nach Stuttgart kam und 2006 zur Ersten Solistin ernannt wurde, und die von Christian Spuck, seit 1995 Mitglied der Kompanie und seit 2001 ihr Hauschoreograf, liefen parallel. In Stuttgart, sagt sie, habe sie sich sehr wohlgefühlt und unterschiedliche Rollen bekommen, an denen sie wachsen konnte. „Jetzt ist es Zeit für eine berufliche Veränderung, und ich freue mich über die Chance, mit Christian Spuck nach Zürich zu gehen und dort die ,Geburt’ einer neuen Kompanie mitzuerleben und selbst mitzugestalten.“

Neue Tiefe für die eigene Kunst

William Moore, der 2005 von der Royal Ballet School in London zum Stuttgarter Ballett kam und sich durch eine auffallende Bühnenpräsenz schnell in die erste Reihe vortanzte, erhofft sich vom Wechsel und der intensiven Zusammenarbeit mit einem Choreografen eine neue Tiefe für die eigene Kunst: „Reid Anderson und seine Ballettmeister haben es mir ermöglicht, meine Träume zu verwirklichen. Dafür bin ich unendlich dankbar! Nun habe ich die Chance, mich als Tänzer, Künstler und Mensch in Zürich weiterzuentwickeln. Nicht zuletzt möchte ich mich bei dem unvergleichlichen Stuttgarter Publikum für seine große Unterstützung bedanken.“

Für das Stuttgarter Publikum beginnt mit der Premiere von Christian Spucks „Das Fräulein von S.“ also wieder einmal die schwere Zeit des Abschiednehmens – was auch dem Kartenverkauf für das neue Handlungsballett zusätzliche Dynamik geben wird. Katja Wünsche und William ­Moore tanzen darin zwei Hauptrollen und bieten ihrem Publikum entsprechend Gelegenheit, sie nochmals in Stuttgart auf der Bühne zu erleben. Endgültig Adieu sagen die drei bei der „Gala für Christian“, die am 7. Juli 2012 im Opernhaus stattfinden wird.

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