Stuttgart - Die Bahn will zum Bau des Stuttgart-21-Tiefbahnhofs im Schlossgarten bis zu 6,8 statt drei Millionen Kubikmeter Grundwasser aus den Baugruben abpumpen. Grund für die Erhöhung sind neue Messungen, die einen stärkeren als den bei der Genehmigung 2005 angenommenen Wasserandrang nachweisen.

Die Bahn hat eine neue Genehmigung beim Eisenbahn-Bundesamt (Eba) in Bonn beantragt. Die Stadt gab am Dienstag ihre Stellungnahme bei der Genehmigungsbehörde ab. Sie ist für die Deutsche Bahn wenig schmeichelhaft.

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Man könne „noch keine abschließende Stellungnahme abgeben, da die Unterlagen in einigen beurteilungsrelevanten Punkten nicht selbsterklärend sind“, schreibt Umweltbürgermeister Matthias Hahn (SPD). Zudem gebe es „infolge einzelner Widersprüche und Informationslücken zu maßgeblichen Sachverhalten Klärung- oder Präzisierungsbedarf“.

Mit den „einzelnen Widersprüchen“ untertreibt Hahn. Seine Fachleute im Umweltamt fordern in 56 Punkten Konkretisierungen, Klarstellungen, ergänzende Stellungnahmen, „nachvollziehbare, überprüfbare Begründungen für die Mengenerhöhung“ und Abgleiche, weil Werte im Bahn-Antrag differieren. So entsteht der Eindruck, als sei das Bahn-Papier mit heißer Nadel gestrickt worden. Die Stadt erneuert ihre Forderung nach einem Gutachten, das Fragen zum Beispiel zu möglichen Bodenbewegungen klärt. Zum Schutz der Platanenallee im Schlossgarten, der mal zu wenig, mal zu viel Wasser drohen könnten, hat die Stadt einen umfangreichen Forderungskatalog erstellt.

Die Stuttgart-21-Gegner haben am Montag in Bad Cannstatt bei einer Veranstaltung den Grünen-Umweltminister Franz Untersteller aufgefordert, jede Gefährdung des Mineralwassers durch S 21 auszuschließen. Dessen Ministerium sei mit den Argumenten der Gegner nicht fair umgegangen, so der Vorwurf. Untersteller warb daraufhin um Vertrauen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sah sich am Mittwoch in seiner kritischen Stellungnahme bestätigt. Es sei „fraglicher denn je, ob Stuttgart 21 überhaupt realisierbar ist“, so die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender, die einen Baustopp fordert. Die Bahn will 2013 auf der Grundlage der alten Genehmigung mit Tiefbauarbeiten im Schlossgarten beginnen.