Straubenhardt. Gewusst hatte es im Vorfeld der Straubenhardter Gemeinderatssitzung vom Mittwochabend niemand: Der angekündigte Rückzug von Bürgermeister Willi Rutschmann überraschte auch seine Ratsfraktionen völlig.

"Im letzten Vierteljahr ist diese Entscheidung bei mir gereift", sagt Rutschmann am Tag nach der Bekanntgabe. Als sein Beschluss stand, wollte er das möglichst früh öffentlich machen. "Ich wollte die Leute wissen lassen, woran sie sind und genügend Zeit geben, um einen würdigen Nachfolger zu suchen", so der 65-Jährige, der seit 21 Jahren der Chef im Straubenhardter Rathaus ist.

Ende Juni nächsten Jahres zieht er nun den Schlussstrich. "Ich bin gesundheitlich angeschlagen und muss mich ein bisschen um mich kümmern", sagt Rutschmann, der mit Überzeugungskraft von dem "wunderschönen Amt des Bürgermeisters" sprechen kann, von dem er nun Abschied nimmt. "Mit Feuer und Flamme" habe er sich in der Gemeinde einbringen dürfen, sagte er am Mittwoch den Gemeinderäten. Seinen Schritt vollzieht er zu einem Zeitpunkt, zu dem ein Generationswechsel in der Verwaltung vollzogen, politisch viel erreicht und das Haus finanziell gut bestellt worden sei.

Rutschmann rechnet mit einem Wahltermin für seinen Nachfolger im März oder April. Den Termin festzulegen, sei aber Sache des Gemeinderats. Dessen Mitglieder lösen sich derzeit langsam aus der Schockstarre, die sie kurz nach der Eröffnung des Bürgermeisters am Mittwochabend befallen hatte. Sprachlos hatten sie hingenommen, dass Rutschmann seinen Ruhestand angekündigt hatte und im Anschluss direkt zum nächsten Tagesordnungspunkt übergegangen war. Hans Vester, Fraktionsvorsitzender der SPD, fand schließlich als Erster die Sprache wieder. "Ich muss jetzt doch noch mal zu dem Punkt von vorher. Sie haben uns sehr überrascht mit dieser Geschichte", rang er nach Worten. Viel weiter kam er jedoch nicht. "Ich bin ja noch ein bisschen da", erstickte Rutschmann jede aufkommende Rührseligkeit im Keim.

Am Tag danach zeigte der stellvertretende Bürgermeister und Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Horst Reiser, Verständnis für Rutschmanns Entscheidung: "Über dem Wohl der Gemeinde muss das private Wohl stehen." Rutschmann habe die Entwicklung der Kommune in den vergangenen 20 Jahren geprägt, aber: "Uns war allen klar, dass irgendwann ein Ende der Ära Rutschmann kommt." Nun müsse sich der Gemeinderat flott an die Arbeit machen, um alle Fristen einzuhalten und rechtzeitig einen geeigneten Nachfolger zu finden, so Reiser. In den nächsten Tagen und Wochen müsse man sich zunächst um die Ausschreibung der Stelle im Staatsanzeiger kümmern.

Hans Vester (SPD) wünscht sich einen Nachfolger, der dynamisch ist, vorwärts blickt und das Amt – wie Rutschmann – als Berufung und nicht nur als Beruf sieht. "Jemand mit Visionen" schwebt Vester vor. Rutschmann habe immer sehr fortschrittlich gedacht, sei aber auch sozial sehr engagiert gewesen und habe den Umweltschutz vorangetrieben. "Ich denke, der künftige Bürgermeister sollte wieder eine starke Persönlichkeit haben", sagt der Fraktionsvorsitzende der CDU, Jörg Gube.

Erna Grafmüller, Fraktionsvorsitzende der Liste Mensch und Umwelt, wünscht sich von den Bewerbern Toleranz, Aufrichtigkeit und die Bereitschaft zum Dialog. Diese Werte seien für die Straubenhardter wichtig. Dies habe die Beschäftigung mit dem neuen Leitbild ergeben.

Noch-Bürgermeister Rutschmann hat ebenfalls klare Vorstellungen: "Straubenhardt ist es wert, einen jungen, dynamischen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin zu bekommen." Dieser solle auf dem Erreichten aufbauen und neue Ideen einbringen. Selbst Impulse setzen wird Rutschmann aber weiterhin in der CDU-Fraktion im Kreistag.