Straubenhardt Gitarrist orientiert sich an den Großen
Schwarzwälder-Bote, 23.06.2012 08:00 Uhr
Matthias Hautsch live – bei einem Konzert im Foyer des CongressCentrums Pforzheim.Foto: Schwarzwälder-Bote
Straubenhardt. Das Telefon klingelt. Der Gitarrist fällt aus. Ob er einspringen könne? Der Tag von Matthias Hautsch ist zwar streng durchorganisiert, doch als Musiker muss er spontan sein, flexibel, pünktlich und zuverlässig. Geht also klar. In drei Stunden ist er da.So passiert es oft im Leben des Straubenhardter Gitarristen. Wenn möglich, hilft er den Kollegen. Das ist oft Stress, aber gut fürs Geschäft. Denn Hautsch ist freier Musiker und er will vor allem eins: Live spielen – so oft es geht. "Nur so kann ich auch davon leben", sagt der 49-Jährige. Dabei beginnt der Tag des Musikers in Schwann ganz gewöhnlich: Halb sieben Aufstehen, Obst schnippeln, Kaffee trinken und Bürokram erledigen. Auch dann, wenn er körperlich kaputt in den frühen Morgenstunden ins Bett fiel. "Das ist hart und man muss es wollen", meint Hautsch. Doch das gesunde Frühstück für seine zwei Söhne, 15 und 19, ist ihm wichtig: "Ich bin abends oft weg. Da essen sie meist Pizza", erzählt der alleinerziehende Vater. Dank der Jungs bekommt der Tag Struktur. So geht Hautsch gegen acht in sein Studio eine Etage tiefer. Dort hört, lernt und arrangiert er neue Stücke und arbeitet an seinem Soloprogramm.
Zwischendurch trainiert er für verschiedene Triathlon-Wettkämpfe – acht bis zwölf Stunden in der Woche investiert er dafür während der Hochsaison. Trotzdem geht die Musik immer vor. "Der Job besteht aus Arbeit, Üben und Vorankommen", sagt er. Nur zehn Prozent seien Talent. Aber er wolle es so. Musik sei sein Lebenselixier, erfülle ihn, treibe ihn an, rühre ihn zu Tränen und zum Tanzen.
"Seit ich Musik mache, bin ich ein glücklicher Mensch", sagt der gefragte Tonkünstler mit der eigenen Handschrift. Hautsch war 29, als er seinem Herzen folgte. Schwere Jahre standen dem studierten Nachrichtentechniker bevor. Er war unbekannt. Die Jobs waren mager. Er lebte sparsam, gab Unterricht und investierte alles, was er verdiente, in CD-Produktionen und in sein Studio. Hausieren gehen war nicht sein Stil. "Ich wollte immer mein eigener Chef sein, Musik machen, die mir gefällt. Und ich wollte mich als Gitarrist an den Großen orientieren", erzählt er. Solche wie van Halen, Mike Stern, Carl Verheyen oder Tommy Emmanuel. Von jedem habe er gelernt. Hautsch spielte in Jazzclubs, tingelte durch Deutschland, um Kontakte aufzubauen. Heute tut er das nicht mehr, spielt auch nicht mehr 180 Gigs im Jahr. "Da war ich hinterher völlig ausgebrannt", erinnert er sich.
Heute kämen die Jobs auch von alleine. Manchmal drei an einem Tag. Und bei jedem Auftritt gibt Hautsch 110 Prozent. Danach weiß der Langstreckenläufer, was er getan hat: "Das ist wie ein Marathon." zehn bis 30-mal im Jahr ist er für jedes Band-Projekt unterwegs – mit dem Matthias Hautsch Trio, mit Hautsch-Baldu-Wollasch, Ira’s World oder als Solist mit "Hautschnah". Mit 45 hat sich der jahrelange Side-Man damit einen Traum verwirklicht. Und so ist der ehrgeizige Gitarrist immer bereit, neue Wege zu gehen. Er begeistert sich für Pop, Rock, Jazz, Soul und Latin. Jedoch gebe keine Sicherheit. Bei einem Unfall wäre sein Einkommen bei null. Darum muss Hautsch spielen.
Das Trio Hautsch, Baldu, Wollasch ist am 12. Juli, 20 Uhr im "Dudelsack", Karlsruhe, Waldstraße 79 zu erleben.



