Straubenhardt. Mindestens einmal wöchentlich hat Henriette Anzer-Rosenberg einen Interessenten für eine Wohnung im "Haus Wiesengrund" am Telefon. "Dabei sind längst alle 26 Einheiten der Seniorenwohnanlage vergeben", so die Ansprechpartnerin vor Ort. Ein Ausweichen auf die örtlichen Seniorenheime ist nicht möglich, da auch diese 200 Plätze nicht mehr ausreichen. Zumal Senioren mit Gleichgesinnten in eigenen Räumlichkeiten wohnen wollen. Was tun? Die Gemeinde Straubenhardt hat sich deshalb zum Bau weiterer neuer Wohnformen entschlossen.

Zwischen dem "Haus Wiesengrund" und dem Edeka-Markt können auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern Mehrgenerationenhäuser, Einheiten für barrierefreies Wohnen im Alter oder Wohngemeinschaften für Senioren entstehen. Oder Mischformen. Ganz nach Bürgerinteresse. Um das abzuklopfen, fand sich Ende Oktober in sämtlichen Briefkästen ein Info-Brief samt Fragebogen und Gebäudeprospekt. Bei einer Informationsveranstaltung in der Conweiler Festhalle stellten Bürgermeister Willi Rutschmann und der Geschäftsführer der Sozialen Dienste Straubenhardt-Keltern, Reinhold Varwig, die Projekte vor.

"Ein Ort, wo sich Alt und Jung ergänzen können", definierte Rutschmann die Wohnform Mehrgenerationenhaus mit geplanten Ein- bis Vierzimmerwohnungen samt Gemeinschaftsraum. Als Netzwerk der Nachbarschaft sind dazu Alleinstehende, Alleinerziehende, Paare oder Familien gefragt, die ihr Potenzial an Fähigkeiten zum Wohl der Gemeinschaft einbringen möchten. "Hiesige Bauträger sehen diese Anlagen skeptisch", so Varwig. Man habe aber Wohnformen besichtigt, in denen sich die Bewohner in unzähligen Jobs von der Leihoma über den Krankenbesuchs- und Handwerksdienst bis zum Briefkastenleerer und Blumengießer engagiert hätten. Wem so viel Leben im Haus zu unruhig ist, dem passt vielleicht Vorschlag zwei ins Lebenskonzept: Wie in der bereits bestehenden Anlage können barrierefreie Ein- bis Dreizimmerwohnungen von Senioren gekauft oder gemietet werden. Zur Reduzierung der täglichen Aufgaben im Haushalt tragen auf Wunsch die Sozialen Dienste bei, die Wahlleistungen wie Wäscheversorgung oder Essen auf Rädern bieten. Um erschwinglichen Wohnraum zu schaffen, sollen auch kleine Einheiten mit zwischen 30 und 35 Quadratmetern Wohnfläche entstehen. Auch diese Alternative kann möglich werden. Allerdings als Wohngemeinschaft für jeweils zehn bis zwölf hilfe- und pflegebedürftige Menschen. Pro Person wird mit einer Zimmergröße von bis zu 18 Quadratmetern gerechnet. Als Bauherrin des Projekts fungiert die Gemeinde. Der Spatenstich soll in der zweiten Jahreshälfte 2013 erfolgen. Rutschmann rechnet mit einem bis eineinhalb Jahren Bauzeit.

Bis Jahresende d wird die Verwaltung die Meinungen der Bürger aufgrund der Fragebögen auswerten, um die weitere Marschlinie zu planen. 160 Bögen sind bereits im Rathaus eingetroffen.