
Straubenhardt-Conweiler. Mit Kirchenglocken-Atmosphäre setzte der Musikverein Lyra Conweiler unter der Leitung von Alfred Hess seinem Weihnachtskonzert das i-Pünktchen auf. Gleich bei sechs Stücken sorgte Martin Wessinger am Röhrenglockenwerk für Gänsehaut. Das von der Gönnerin Mathilde Häcker gestiftete Instrument erlebte damit seine Premiere.
Begrüßt vom Vorsitzenden Helmut Spiegel und von Pfarrer David Gerlach durch das Programm geführt, ließ sich das Publikum in der restlos besetzten Martinskirche auf eine winterliche Reise mitnehmen. Den gelungenen Anfang machte das von Ramona Bodamer dirigierte Jugendorchester mit den Stücken "Stille Nacht" und "Christmas Spirituals".
Für den fulminanten Einstieg des Orchesters sorgten Trompeten, Kesselpauke und Becken beim Stück "Fanfare". Die in die drei Teile Ouvertüre, Arie und Fuge gegliederte NewBaroque-Suite setzte anschließend moderne Schlagzeug-Rhythmen auf alte Elemente. Romantische Naturen hatten ihre besondere Freude an Karel Svobodas "Drei Nüsse für Aschenbrödel". Sanft wie Schneeflocken fielen die Klaviertöne ins Kirchenschiff und ließen im Kopfkino Szenen von dem schönen Mädchen, ihrem Prinzen sowie Nikolaus, Kasperle und Rosalie erwachen.
"Joyful Exclamations" von James L. Hosay ließ Anklänge an Beethovens "Ode an die Freude" erkennen. Wie auch im Leben keine Freude permanent andauert, so unterbricht der Komponist auch dieses Werk mit disharmonischen Moll-Varianten. Ganz unheimlich und schräg kamen die Tenorhörner daher, bevor ein Trommelwirbel die Beklemmung löste und wieder zum freudigen Hauptthema überleitete. "You raise me up" (Du ziehst mich raus), griff das Bildmotiv des sinkenden Petrus im Chorraum auf. Trompeter Jochen Fauth glänzte beim Soloeinsatz.
Mit "In heiliger Nacht" offerierte das 34-köpfige Orchester schließlich die ganze Bandbreite traditioneller deutscher Weihnachtslieder. Von "Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen" über "Süßer die Glocken nie klingen" bis "Uns ist ein Kindlein heut‘ geboren" reichte das Repertoire. Als das Glockenwerk "O du Fröhliche" einläutete, war im Kirchenraum und auf der Empore alles auf den Beinen und wartete applaudierend auf die traditionelle Zugabe "White Christmas".