Stetten am kalten Markt Steine erinnern an Vertreibung

Schwarzwälder-Bote, 11.06.2012 21:01 Uhr

Sigmaringen. Sie fühle sich, als käme sie noch einmal nach Hause – das hat die 94-jährige Lisy Heyman, geborene Frank, bei einem Besuch in ihrer alten Heimatstadt Sigmaringen gesagt: Anlass war die Verlegung so genannter Stolpersteine vor dem ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus der Familie Frank.

Landrat Dirk Gaerte hatte Lisa Heyman, ihre Kinder Patsy und Bobby sowie ihre Nichte Joy und ihren Neffen Steve, jeweils mit Ehepartnern, ins Landratsamt eingeladen. Mit den "Stolpersteinen" in der Karlstraße soll auf Initiative der Stadt Sigmaringen an die Ausgrenzung, Ausplünderung und Vertreibung der einst angesehenen jüdischen Sigmaringer Familie Frank während der NS-Zeit erinnert werden. Lisa Heyman war es ein großes Anliegen, an der Erinnerungsfeier persönlich teilzunehmen.

Die ursprünglich aus Buttenhausen bei Münsingen stammende Familie Frank war vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis 1938 rund ein halbes Jahrhundert lang zunächst in Laiz und sodann in Sigmaringen ansässig und zunächst im Brauereiwesen und danach in der Möbelherstellung, im Autohandel sowie im Immobiliengeschäft unternehmerisch tätig.

Die Brauereiinhaber Sigmund und Gustav Frank und in der Folge die Fabrikanten Siegfried und Karl Frank waren angesehene Angehörige der Sigmaringer Bürgerschaft, ihre Kinder besuchten als einzige Juden das damalige Staatliche Gymnasium.

Die Familie verlor in den 1930-er Jahren unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Rassenpolitik ihr soziales Netz.

Sie wurde in der Stadtgesellschaft isoliert, ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlagen beraubt und ausgeplündert. Schließlich wurde sie mit massiven Repressionen und Gewalt aus ihrer hohenzollerischen Heimat vertrieben und in die Emigration gezwungen. Verwandte der Franks wurden in den Konzentrationslagern Dachau und Auschwitz ermordet.

 
 
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