Von Oliver Gewald Mittleres Kinzigtal. Seit Jahren macht der Steinacher Thomas Dold als Ausnahmeläufer von sich reden. Im Alter von 28 Jahren hat er auch ein eigenes Team am Start. Mit dem Schwarzwälder Boten hat er über seinen Weg, seine Ziele gesprochen und über eine einzige Niederlage, bei der er an seine Grenzen stieß.Als Treppenläufer erklimmt Thomas Dold die höchsten Gebäude der Welt, rennt quasi dem Himmel entgegen. Was vor zehn Jahren am Brandenkopf begann, setzte sich über Mailand bis nach New York fort.

"Nur wer das Unmögliche versucht, wird das Mögliche schaffen." Den heute 28-jährigen Laufsportler hat dieser Spruch schon mehrfach in seinem Leben angespornt. Und in der Tat, zu seiner Person scheint er wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge zu passen. Denn diese Lebenseinstellung begleitet ihn schon seine ganze Karriere.

Wenn er sich etwas in den Kopf setzt, zieht er es durch. Der zweite Platz ist der Platz des ersten Verlierers. "Und wer verliert schon gern?", fragt Dold.

Bereits zu Beginn seiner Karriere, als er noch Fußball beim SV Steinach spielte, ging er mit dieser Einstellung auf den Platz. Damals bemerkte er bereits, dass das Laufen sein Talent ist. Neben dem Fußball nahm ihn sein Cousin zum Laufen mit. Natürlich gewann er auch dort, wenn auch nicht direkt auf Anhieb. So entwickelte sich langsam die Leidenschaft für den Ausdauersport.

Es war ein Richtungsweisender Zufall, dass ausgerechnet dann Berglaufmeisterschaften am Brandenkopf stattfanden. Spontan nahm Dold teil, was sich später auszahlen sollte. Der Trainer der Nationalmannschaft wurde auf ihn aufmerksam, und mit 18 Jahren war der Steinacher Mitglied der deutschen Berglauf-Nationalmannschaft.

Heute, zehn Jahre später, hat Thomas Dold fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Seine Karriere ist eine Erfolgsgeschichte. Auf die Frage, ob es nie einen großen Rückschlag gab, antwortet er, fast verwundert: "Nein, meine Karriere ging doch schon immer steil nach oben!"

Auch wenn es keinen großen Rückschlag gab – wie im Leben eines jeden Profisportlers gab es einen kritischen Moment. Es war dieser eine Treppenlauf in Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens. "Das Ziel hätte ich bei diesem Lauf mit meiner Vollgas-Strategie auf keinen Fall gesehen", erzählt Dold. "Ich habe meine Finger aufgrund der Belastungen in der dünnen Luft nicht mehr zusammenziehen können, das Gleichgewicht verloren", erinnert er sich.

Dold fühlt sich noch lange nicht am Limit

Dann habe er sich, kurz bevor es zu spät war, entschieden, auszuscheiden. Es sollte der einzige Wettbewerb bleiben, indem er scheiterte. Sieben Mal hat er nun den prestigeträchtigen Treppenlauf im Empire State Building in New York gewonnen. Nach seltenen Niederlagen würden ihn Leute schon fragen, ob er keine Maschine sei, erzählt er. "Es geht nur darum, den Dold zu schlagen. Das ist jedes Mal das Ziel der teilweise tausenden anderen Teilnehmer."

Gelungen ist das aber noch fast keinem. Ob das seine Rivalen zum Doping treibt, verneint er entschieden. Man würde sich damit selbst eingestehen, dass man auf normalem Wege nicht in der Lage sei, Topleistungen zu bringen. An ihn persönlich wurde es auch noch nie herangetragen: "Laufen ist ein sehr fairer Sport, man sieht, wer gut gearbeitet hat und wer nicht."

Und Dold arbeitet seit Jahren. Bis zu 200 Kilometer läuft er pro Woche, vor wichtigen Treppenläufen pendelt er zwei Mal in der Woche nach Frankfurt zum Training. Um seinen Körper vor Verletzungen zu schützen, sucht er regelmäßig den Physiotherapeuten auf. Auch psychisch bereitet er sich auf Läufe vor.

Dold vergleicht die Wichtigkeit der richtigen Einstellung mit einem Rennwagen: "Was bringen die PS, wenn man sie nicht auf die Straße bekommt?"

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass man natürlich die nötigen PS, die körperlichen Kapazitäten, braucht. Und diese seien beim zweimaligen Rückwärtslauf-Weltmeister so gut wie noch nie. "Ich bin in der Form meines Lebens", gibt er sich selbstbewusst. "Am Limit bin ich noch lange nicht", fügt er hinzu.

Auch wenn er alles gewonnen hat, ist sein Kampfgeist immer noch ungebrochen, ein Karriereende des Läufers Thomas Dold noch nicht abzusehen. Er könne noch laufen bis er 40 ist. Sein Körper gibt ihm die Möglichkeit dazu. Nach seinem Karriereende will er sich noch intensiver um sein Team, Run2Sky, kümmern. Er gründete das Team, um im Kinzigtal eine perfekte Lobby für seine Läufer zu haben. Dort betreut er jetzt schon intensiv alles Organisatorische.

Sein Ziel ist es, 2016 mit seinen "Entdeckungen" Anna und Lisa Hahner nach Rio, zu den Olympischen Spielen zu fahren. Er vergleicht die der beiden Talente mit der Erfolgsgeschichte von Apple. Auch er habe das Besondere in beiden gesehen, wie Steve Jobs damals in dem früher maroden Konzern. "Mittlerweile ist Apple die wertvollste Marke der Welt." Anna und Lisa will er ebenfalls an die Weltspitze führen.

Der achte Platz von Anna Hahner beim diesjährigen Berlin Marathon gibt ihm Recht. "Sie haben beide einen Körper wie die Afrikanerinnen. Diese Voraussetzungen haben nur ganz wenige Menschen auf der Welt." Dennoch arbeitet er täglich intensiv mit ihnen. Es ist die Lauftechnik, die über Jahre perfektioniert werden muss. Auch er sei noch nicht perfekt. Und daran wird er auch in den kommenden Jahren noch arbeiten.