
Von Markus Adler
Welschensteinach. Keiner brachte es besser auf den Punkt als Steinachs Bürgermeister Frank Edelmann (CDU): "Keine Feier ohne Maier", lobte er das vielfältige Engagement von Hannelore Maier, die 1956 als Lehrerin nach Welschensteinach kam. Nun wurde sie mit dem Kinzigtaler – einer Auszeichnung der Sparkasse Haslach/Zell und der Narrenzünfte der Region – für ihre Verdienste um das Brauchtum ausgezeichnet.
Sparkassen-Chef Mathias Wangler bettete den Preis in die schnelllebige Zeit anno 2012 ein: Kaum sei Weihnachten vorbei, stehe bereits die Fasent an – kaum ein Teil des Jahres bringe in vier Wochen soviel Veränderungen wie die Zeit zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar. "Wir, die Initiatoren, glauben, dass gerade in unserer extrem schnelllebigen Zeit, in der die Welt online kommuniziert und zum globalen Dorf wird, das kulturelle Leben vor Ort und die Pflege des Brauchtums stark an Bedeutung zunehmen, weil sie Identifikation stiften und Heimatgefühl vermitteln", sagte Wangler. Kultur und Brauchtum seien der "Kitt unserer Gesellschaft", unterstrich der Vorstandsvorsitzende bei der Feierstunde in der Allmendhalle in Welschensteinach vor den zahlreichen Vertretern der Narrenzünfte aus der Region und anderen Gästen. Er würdigte die sieben bisherigen Preisträger als Persönlichkeiten, die "jede auf ihre Weise die Kultur, das Brauchtum und vielfältiges Ehrenamt vor Ort und zum Teil darüber hinaus intensiv gelebt, gefördert und befruchtet haben".
Der Ideengeber und Ehrenpräsidialmitglied des Verbands schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (VSAN), Ewald Kromer, blieb es vorbehalten, die Wahl der Jury zu verkünden. Leicht hatten es sich die Vertreter der Zünfte und der Bank plus dem letztjährigen Preisträger Manfred Hildenbrand nicht gemacht, hatten sie doch so viele Vorschläge wie nie zuvor erhalten. Am Ende setzte sich Hannelore Maier aus Welschensteinach durch, für die Bürgermeister Frank Edelmann die Laudatio übernahm. "Sie ist in ihrer Ansage ganz klar, bleibt dabei superherzlich und vermittelt so verbindlich-positiv ihre Botschaft", kennzeichnete der Schultes die Charaktereigenschaften der langjährigen Lehrerin, die in fast allen Vereinen im "schönsten Seitental der Kinzig" aktiv ist. "Sie vermitteln Werte an die jüngere Generation, was immer mehr verloren geht. Sie tragen damit dazu bei, dass die Jüngeren Orientierung erhalten", sagte Edelmann.
Zu den ehrenamtlichen Tätigkeiten der 1956 ins Tal gekommenen Lehrerin zählen die Schulfasent mit Gizig-Rufen und Umzug, ihr Einsatz als Schnurrantin, ihre Mitwirkung bei der Gründung des Bachdatscher-Ballets und ihr mehr als 40-jähriges Engagement für die Trachten- und Volkstanzgruppe. Lange Jahre war sie Schriftführerin, zurzeit führt sie den Verein kommissarisch. Daneben ist sie als Schriftführerin und Museumsführerin im Steinacher Heimatmuseum aktiv, engagiert sich als Messhelferin, leitet Wortgottesdienste und ist seit 20 Jahren bei den Fußballern der DJK Welschensteinach als Platzkassiererin tätig.
Welschensteinachs Ortsvorsteher Erich Maier, selbst noch Schüler bei Hannelore Maier, packte sein Lob in einen Satz: "Unserem Dorf konnte nichts Besseres passieren, als dass dieses Donnerwetter mit dieser Power-Frau vorbeigezogen ist. Und es ist noch nicht vorbei", sagte er nicht ohne Ironie und berichtete der schmunzelnden Versammlung, wie schnell sich die Siebtklässler an ihr die Zähne ausbissen. Deutlich flacher wollte den Ball die Geehrte selbst halten: "Es ist mir natürlich eine große Ehre, in einer Reihe mit so illustren Persönlichkeiten zu stehen", sagte Hannelore Maier mit Blick auf die bisherigen Preisträger. Ämter habe sie nie gesucht – die seien ihr gleich reihenweise angetragen worden – angefangen habe alles mit der Schriftführerin der Gefriergemeinschaft. "Ich kann nämlich nicht so leicht ›Nein‹ sagen", verriet sie.
"Es macht mir aber auch noch Spaß", sagte Maier – eingerahmt vom Ehrenspalier der gastgebenden Bachdatscher-Zunft, von der sie auch vorgeschlagen worden war. "Als Heimatvertriebene weiß ich, was Heimat ist.Welschensteinach ist meine Heimat geworden, und deshalb tue ich gern, was ich hier getan habe", brachte sie ihre Motivation auf den Punkt. Für das Preisgeld von 1000 Euro hat sie auch schon eine grobe Idee – möglicherweise ist ein Trog für den Brunnen am Museum geplant.