Stadtansichten Demokratie nach Vormundschaftsstreit
Götz Schultheiss, 15.04.2012 11:02 UhrStuttgart - Die Wiege der Demokratie in Württemberg steht nicht in der Landeshauptstadt, sondern in Leonberg. Die Ursache für die Einbeziehung der Stände in die Politik liegt in einem Vormundschaftsstreit. In der Grafschaft Württemberg hatte es nie ein Erstgeborenenrecht, nach dem der älteste Sohn alles erbt und seine Geschwister bei ihm Mägde und Knechte sind, gegeben. In Württemberg galt immer die Realteilung, nach der jedes Kind gleich viel erhält.
So verhielt es sich auch zu Zeiten des Grafen Eberhards des Jüngeren (1388–1419). Er war mit Henriette von Mömpelgard verheiratet, die ihrem Gatten zwei wesentliche Dinge in die Ehe eingebracht hatte: die Grafschaft Mömpelgard im vorderen Burgund und mit großer Wahrscheinlichkeit die Syphilis. Beide hatten zwei Söhne: Ulrich und Ludwig. Nach dem Tode ihres Vaters haben diese das Land in Württemberg-Stuttgart und Württemberg-Urach geteilt. Württemberg-Stuttgart wurde von Ulrich V., dem Vielgeliebten, regiert, der sich seinen Beinamen durch drei Ehen in Folge und außereheliche Verbindungen redlich verdient hat.
Streit wegen Vormundschaft entbrennt
Graf Ludwig I., Gatte von Mechthild von der Pfalz, starb 1450 an der Pest. Nach seinem Tode brauchte sein Sohn, Graf Eberhard, später als Eberhard im Bart bezeichnet, einen Vormund. Über diese Vormundschaft gerieten Eberhards Onkel mütterlicherseits, Pfalzgraf Friedrich, und der Onkel väterlicherseits, Ulrich der Vielgeliebte, in Streit. Krieg lag in der Luft. Um die Katastrophe zu vermeiden, wurde in Leonberg der Landtag einberufen, in dem ausgewählte Vertreter der Stände über die Vormundschaft entscheiden sollten. Die Entscheidung fiel auf Ulrich.
Einmal einberufen, verfestigte sich die Landschaft, wie man das Parlament nannte. Es traf regelmäßig in Stuttgart zusammen. Auf dem ersten Bild sind seine Gebäude zu sehen. Sie befanden sich in der Kronprinzenstraße 2 bis 6.
Der älteste Teil des Landtags auf der linken Bildseite des Aquarells aus der Zeit um 1900 ist das Haus von Kammersekretär Franz Kurz , das 1564 von den Landständen gekauft wurde. Es trug über dem Eingang passenderweise den für die Politik zeitlos gültigen Wahlspruch des Vorbesitzers: „Es gehet seltsam zu.“ Später wurde das mittlere Gebäude dazugekauft.





