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St. Georgen Von "Finanzern" und "Gurgelstechern"

Von
Paul Dieter Auer Foto: Schwarzwälder-Bote

St. Georgen. In der Bergstadt wird Ökumene seit vielen Jahren großgeschrieben. Dies wird gerade im Lutherjahr deutlich. In einem Vortrag bei der Kolpingfamilie beschäftigten sich Pfarrer Paul Dieter Auer und sein Ruhestandskollege, Pfarrer Winfried Frech mit dem Reformator.

Schon mehrmals hatten sich die beiden Theologen zum Reformator Luther bei den Kolping-Mitgliedern mit verschiedenen Themen beschäftigt. Diesmal stand Luthers Wortschatz zur Debatte, da dieser sich durchaus recht derb auszudrücken pflegte. Denn für eine gute Predigt brauche es drei Dinge: "Steig auf die Kanzel, tu’s Maul auf, hör bald auf", soll Luther dazu gesagt haben.

Es lohne sich in jedem Fall, auf Worte des einstigen Mönchs zu hören. Diese spielgelten nicht nur das Leben wider, sie hätten auch nichts an Kraft und Originalität verloren. So gingen viele, bis heute viel strapazierte Redewendungen auf ihn zurück, bewies Frech. Etwa mit "Er geht wie auf Eiern", "er hat sich das Maul verbrannt" oder "dich sticht der Hafer".

Auch ging er bereits vor 500 Jahren mit dem Geldadel ins Gericht: "Finanzer heißen Gurgelstecher", oder "Alles stinkt vor Habsucht". Er hat auch festgestellt, dass "diese Kaufleute täglich die ganze Welt ausrauben". Dazu passt sein Spruch: "Gott behüte uns vor dem gräulichen Laster der Undankbarkeit." Auf Bürgermeister, Fürsten und Adel könne man getrost verzichten, auf Schulen aber nicht, wusste Luther schon in den frühen Jahren des 16. Jahrhunderts. Trotz dieser Wertschätzung hatte er aber auch andere Erfahrungen gemacht: "Die Schulen waren Hölle und Fegefeuer, in der wir gemartert wurden", daher sei es sein Verlangen, dass diese Esels- und Teufelsschulen entweder im Abgrund versänken oder christliche Schulen würden. Auch über Prediger ließ er sich aus: "Der Teufel und die Welt werden’s nicht lassen, sie werden dich anfechten". "Du musst die Hunde und Säue anders als die schwachen Schafe behandeln", riet er ihnen dazu.

Auch Ratschläge für Depressionen hatte Luther parat, wiewohl er selbst nicht frei davon war: "Ficht dich Traurigkeit und Verzweiflung an, dann iss, trink und geh unter die Leut." Pfarrer Auer dagegen wusste, dass Luther ein Albtraum, eine Zumutung war für seine Frau. Die habe sehr häufig erleben müssen, dass ihr Gemahl aus der Universität schon mal 15 bis 20 Studenten mitbrachte zum Essen – natürlich unangemeldet. "Und damals gab es weder Kühlschrank noch Gefriertruhe und schon gar keine Mikrowelle, wo man eben noch mal schnell etwas machen konnte", polterte er. Und er räumte einen Irrtum aus: "Der Spruch ›Warum rülpstet und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmecket‹ wird gerne Luther zugeschrieben, was aber keineswegs verbürgt ist; und bei diesen Massenverköstigungen im Hause Luthers wurde eigentlich eifrig mitgeschrieben", erläuterte er. Bekannt aber sei tatsächlich ein ähnlich deftiger Spruch: "Aus einem verzagten A… kommt kein fröhlicher Furz".

Zum Ablasshandel und der Verschwendungssucht der Päpste hatte er ein schlechtes Bild: Es werde alles durch diese Papstesel verdunkelt, wusste Luther, der eigentlich keine Kirchenspaltung wollte, sondern eine generelle Umkehr – die laut Auer heute in weitesten Teilen erreicht sei.

Der Vorsitzende der Kolpingfamilie, Thomas Hummel, dankte den hervorragend harmonierenden Pfarrern für die bildhaften Ausführungen und freute sich über weitere gemeinsame Vorträge.

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