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St. Georgen Nicht immer läuft alles reibungslos

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Foto: Klossek Foto: Schwarzwälder-Bote

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Seit sieben Jahren bietet die Familie Fichter auf ihrem Hof betreutes Wohnen für ältere und kranke Menschen an. Trotz der vielen Arbeit bekomme man viel zurück, so Gabi Fichter. Doch es gab auch negative Erlebnisse.

St. Georgen-Oberkirnach. Mitten im Grünen, umgeben von Wiesen und Feldern, liegt der Hof der Familie Fichter. An einem Hang grasen gemächlich ein paar Kühe, einige Meter weiter schlafen Ferkel – unbeeindruckt vom Gackern der Hühner, die in ihrem Gehege auf der Suche nach Futter sind.

Kein Verkehrslärm, dafür Ruhe pur und echte Landluft – ein Leben auf dem Bauernhof bietet die Familie Fichter seit sieben Jahren auch für ältere oder kranke Menschen an, die sich nicht mehr alleine versorgen können. Denn in dem Jahrhunderte alten Bauernhof sind zwei Appartements für "betreutes Wohnen" eingerichtet. Den Gästen steht eine Wohnung mit Schlafzimmer, Bad und einem Wohnzimmer samt Kochnische zur Verfügung.

"Wer kann und will, darf bei uns auf dem Hof mitarbeiten", erzählt Gabi Fichter über das Leben der Gäste in Oberkirnach. Im Kreise der Familie werde gegessen und gemeinsam Kaffee getrunken. Auch Feste wie Weihnachten werden gemeinsam gefeiert. "Und dann gibt’s auch ein kleines Geschenk", erzählt die 50-Jährige und lächelt.

Dass sich die Menschen hier wohl fühlen, ist Gabi Fichter wichtig. Ihr Vater litt unter Demenz, hatte mehrere Schlaganfälle. Als sich ihre Mutter nicht mehr um ihn kümmern konnte, nahm ihn die Tochter im Jahr 2007 auf den Hof und kümmerte sich gemeinsam mit der Familie um ihn. "Es war eine sehr harte Zeit, aber man kriegt auch unendlich viel zurück", sagt sie im Nachhinein.

Drei Jahre lebte ihr Vater auf dem Hof in Oberkirnach, bis er schließlich starb. Nach seinem Tod stand für Fichter fest: Sie möchte auch in Zukunft helfen. "Ich habe gemerkt, dass ich gut mit Menschen umgehen kann, die Hilfe brauchen", so Fichter. Vom Pflegestützpunkt in Villingen erhielt sie eine Adresse eines Fachdienstes in Rottweil, der seither Interessenten für das betreute Wohnen vermittelt.

"Jeder hatte seine eigene Geschichte hinter sich"

Sieben Jahre sind seither ins Land gezogen, momentan lebt bereits der siebte Gast bei der Familie Fichter. Von den sieben Gästen waren sechs psychisch-kranke Menschen. "Jeder hatte seine eigene Geschichte hinter sich", so Gabi Fichter.

Der geregelte Tagesablauf, so die 50-Jährige, sei für die Gäste, die manchmal eben auch Patienten sind, sehr wichtig. "Du musst permanent deine Linie fahren", sagt sie über ihre Arbeit. Man müsse freundlich, aber bestimmt sein. Anderenfalls könne man schnell ausgenutzt werden.

Denn nicht immer läuft auf dem Hof alles reibungslos, Fichter hat auch schon negative Erfahrungen gemacht. Einer dieser Fälle ist noch gar nicht lange her.

Die Familie nahm damals einen Mann auf, der zuvor obdachlos gewesen war und nach Jahren auf der Straße in ein Heim kam. "Er war sehr gebildet", sagt sie über ihn. Doch Frauen hätten bei ihm "nichts gegolten". Phasenweise verlor er die Kontrolle, wollte sogar auf Fichter losgehen. "Er war unberechenbar", meint sie.

Als er vom Hof verschwindet und später in Heidelberg in einem Obdachlosenheim auftaucht, nimmt ihn Familie Fichter nicht mehr zurück – zu hoch ist das Risiko, das etwas passieren könnte. Später habe der Sozialarbeiter angesichts der Fehleinschätzung seines Zustandes gesagt: "Ich habe mich noch nie so sehr in einer Person getäuscht."

Trotz negativer Erfahrungen möchte Fichter das betreute Wohnen nicht aufgeben. Zu groß sei die Dankbarkeit, das gute Gefühl, wenn die Gäste sich über das selbst gekochte Essen und die Zeit mit der Familie freuen.

"Ein bisschen abgrenzen muss man sich aber schon", sagt sie. Der Sonntag gehöre beispielsweise der Familie: Gemeinsam mit ihrem Mann Friedbert und den drei Kindern wird öfters etwas unternommen. Die beiden Töchter der Familie wollen den 115-Hektar-Betrieb, der im Nebenerwerb geführt wird, eines Tages übernehmen.

24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr erreichbar

Schon jetzt kümmern sie sich um alles – auch die Gäste – wenn die Eltern im Urlaub sind. "Das läuft Hand in Hand, wäre anders aber auch gar nicht machbar", sagt Fichter. Denn betreutes Wohnen bedeutet auch, dass man 24 Stunden am Tag, 365 Tage das Jahr erreichbar sein muss. Und wenn es Gabi Fichter doch einmal zu viel wird? "Dann geht es aufs Pferd und raus in den Wald."

Weitere Informationen: Informationen zum Betreuten Wohnen auf dem Hof der Familie Fichter gibt es unter Telefon 07724/49 60.

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