
Von Peter Wolf
St. Georgen. 50 Jahre alt wäre Thomas Strittmatter am 18. Dezember geworden. Der vielfach ausgezeichnete, in St. Georgen geborene Autor von Dramen, Hörspielen, Romanen, Drehbüchern und anderen literarischen Werken starb aber bereits im Alter von 33 Jahren im August 1995 in Berlin.
Zum Anlass des so jung verstorbenen Autors wird es am 17. und 18. Dezember in drei Sendungen bei SWR4 um die Wurst gehen, beziehungsweise um Strittmatters literarische Begeisterung für die Schwarzwurst. Die Mundarthörspielredaktion des SWR in Freiburg sendet am Samstag, 17. Dezember, ab 21.03 Uhr und nochmals am Sonntag, 18. Dezember, ab 18.20 Uhr auf SWR4 das Hörspiel "Der Schwarzwursthammer". Im Anschluss an die Sendung am Sonntag wird noch ein von Kristina Huch und Mark Ginzler neu verfasstes Porträt über Strittmatter und dessen Erzählprojekt "Schwarzwurst – die ehrlichste Wurst" ausgestrahlt.
Sehr enger Kontaktzur Familie
Die Schriftstellerin Almut Tina Schmidt hat das Hörspiel nach dem Erzählprojekt aus dem Nachlass Strittmatters verfasst. Sie hat in diesem Jahr ihre Dissertation über den Autor vorgelegt. Sie hatte während ihrer Recherchearbeit auch sehr engen Kontakt zur Familie Strittmatter auf der Sommerau.
Die beiden Hauptrollen des Hörspiels haben die ehemaligen Arbeitskollegen und Freunde von Strittmatter, Robert Hunger-Bühler und Wolf-Dietrich Sprenger, übernommen. Sie kommen auch in der Porträt-Collage zu Wort, ebenso Almut Tina Schmidt und so berühmte Literaturkritiker wie Marcel Reich-Ranicki oder Walter Jens.
Außerdem hat Kristina Huch Original-Töne von Thomas Strittmatter, in denen er sich über sein Erzählprojekt auslässt: "Ich habe extra für Klagenfurt (zur Verleihung des Ingeborg-Bachmann-Preises) so´n kleinen Text vorneweg geschrieben, damit ich nichts improvisieren muss.
Zum Schwarzwursthammer: Das Erzählprojekt, eine Art Roman vielleicht, beschäftigt mich seit ungefähr drei Jahren. Es geht um meinen Großvater, den ich nicht gekannt habe. Gerne hätte ich einen Helden zum Großvater. Schwarzwurst, ein Festessen, sagte er, Schwarzwurst, die ehrlichste Wurst, das sagt dir jeder Metzger. Bloß Blut und Fett, sagt mein Vater über seine Lieblingswurst."
"Eigenständige herbe starke Wirkung"
Strittmatters Erzählprojekt "Der Schwarzwursthammer" ist Fragment geblieben. Ein erster Ausschnitt daraus wurde 1984 beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb mit dem Ernst-Willner-Stipendium ausgezeichnet. Jury-Mitglied Reich-Ranicki würdigte "ergriffen" die "eigenständige herbe starke Wirkung" des Textes und dessen "außerordentliche Plastizität".
Thomas Strittmatters Erzählung spielt im Jahr 1930, als im Schwarzwald für die Bahnverbindung Felsen aus dem Weg gesprengt werden. Der Capo und Steinhammerträger S., ein kantiger Quadratschädel, ist ein entschiedener Nonkonformist, der unter den Arbeitern, aber vor allem in der archaischen Welt der Schwarzwaldhöfe mit ihren derb-skurrilen Figuren und Geschichten fremd wirkt.
Als eines Tages eine schlimm zugerichtete Leiche gefunden wird, erkennt der Schwarzwurstexperte S. die wahre Identität des Toten als Erster.