
Von Siegfried Kouba
St. Georgen. Das Kleine Kammerorchester gab ein nachträgliches Konzert zur Gesundheitswoche. Das "kleine aber oho-Kammerorchester" ist seit Jahren eine Säule des kulturellen Lebens der Stadt und ein treuer Wegbegleiter der Gesundheitswoche. Es hat sein Publikum, das letztlich total begeistert war.
Initiator und mitwirkender Kontrabassist Johannes Probst verwies auf die therapeutischen Ansätze und hoffte, dass der Mensch jenseits aller Worte durch Musik in mannigfacher Weise in Schwingung versetzt wird, um das gefühlsmäßige Niveau zu heben und "gesünder nach Hause zu gehen".
Erstaunt war man, dass nicht Reinhard Jäckle am Dirigentenpult stand. Eingesprungen war Frank Scheuerle, der eine gute Figur abgab. Mit Uhrenpräzision gab er die Taktschläge mit dem Stab in der rechten Hand, ließ große Phrasen erkennen und gab jeden Einsatz. Erfreulich vor allem die gelungenen Verzögerungen und Fermaten, die elegant ausgeformt wurden.
Im Zentrum des Abends stand Klaviermusik, dominiert durch Gabriele König, die regierte und brillierte. Deutlich war der russische Stil, den sie auch an ihre Schüler weiter gibt. Einen ganzen Tross hatte sie mitgebracht – neben ihren Töchtern Annemarie und Regina traten Thomas Duttenhöfner, Madeleine Schlipf, Michael Huss, Ramona Kieninger, Rold Lutz, Sarah Weisser, Elisa Mack, Marcel Schlipf, Thekla Fischer und Angelina Haas auf.
Mehr als gefällig waren die Werke von acht bis 16 Händen (ohne Orchesterbegleitung) zu vernehmen. Es waren reißerische Titel von "Moldau" über "Pomp & Circumstances" bis hin zum "Entertainer". Bei der Smetana-Interpretation (Moldau) fehlten allerdings böhmische Geschmeidigkeit und bohemisches Gefühl. Bei der Adaption wurde mehr auf pianistisch-technisches Agieren gelegt. Der fröhliche Charakter, die vorwärtsdrängende Spannung und die effektvollen Pausen ließen dagegen beim "Rondo" aufhören.
Einen nachträglichen Hochzeitsgruß sandte man nach England mit der Elgar-Bearbeitung, und die "Stars & Stripes" gewannen durch den Orchestrion-Klang und die köstlichen Piccolo-Passagen. Eine spritzige Angelegenheit wurde William Gillocks "Champagne Toccata" und zur "Schnipser-Einlage" kam es beim "Entertainer", bei dem sich zwölf Hände über die Tastaturen bewegten. Gigantisch war die "Polka Concertata" von Paola Canonica, wobei acht junge Pianisten hören ließen, was in ihnen steckt.
Konzert für zwei Klaviere und Orchester
Als Programm-Eckpfeiler: Die D-Dur-Sinfonie von Luigi Boccherini und das Konzert KV 365 von Mozart. Boccherini gilt als "einziger" italienischer Sinfoniker des 18. Jahrhunderts. Das aufgeführte viersätzige Werk zeigte seinen eingängigen Stil, die heitere Schreibweise, die barock-klassische Ausstrahlung. Höhepunkt schließlich war Mozarts Konzert für zwei Klaviere und Orchester, ein reifes Werk des jungen Mozart, das genauso gekonnt durch Gabriele, Annemarie und Regina König wiedergegeben wurde.