St. Georgen (hü). Zu einem Vortrag über China hatten evangelische Erwachsenenbildung und ökumenischer Arbeitskreis ins ökumenische Gemeindezentrum geladen.

Hans Elsässer war zusammen mit seiner Frau Gisela mehrere Wochen in China, das mit 9 560 980 Quadratkilometern etwas kleiner als Europa ist, aber fast doppelt so viele Einwohner hat, nämlich 1,35 Milliarden. Aus Angst vor einem Zerbrechen des Reiches ist die Staatsführung sehr am Erhalt der Schrift interessiert, die bei acht Sprachen und einigen Dialekten im Land die einzige Möglichkeit für alle ist, sich miteinander zu verständigen.

"In China gibt es alles", so Elsässer, der Bilder eines Bierzelts zeigte, in dem Knödel und Wurst serviert wurden. Die einheimische Küche sei "mit Krabben- oder Skorpionspieß" gewöhnungsbedürftig.

Mit 1000 Wolkenkratzern ist Shanghai beispielhaft für die rasante Entwicklung Chinas. Trotzdem sind noch viele alte Kolonialbauten erhalten, daneben Viertel mit einfachsten Verhältnissen, wo sich zehn Wohnungen eine Toilette teilen.

Glaube an Geister und Dämonen lebt

In den Städten gibt es unglaublich viele Grünanlagen. Sehr oft zu sehen sind Pagoden, aber auch christliche Tempel. Immer noch sehr verbreitet ist der Glaube an Geister und Dämonen. Erstaunlicherweise gehören nur sechs Prozent der Menschen der kommunistischen Partei an.

China als Land der Millionen Radfahrer gibt es laut Hans Elsässer nicht mehr. Statt dessen sehe man viele Elektroroller. Aufgrund des Smogproblems sind in allen großen Städten Mofas mit Benzinmotor verboten. Trotzdem ist das Auto ein Statussymbol, obwohl in Shanghai selbst das Nummernschild mit 5000 Euro ersteigert werden muss. Ganz stark im Kommen ist der Zugverkehr mit Schnellverbindungen von bis zu 350 Stundenkilometern.

Laut Elsässer hat die Orientierung am Westen große Bedeutung. Es gebe Schönheitsoperationen, um sich optisch den "Langnasen" anzupassen. Sonnengebräunte Haut sei hingegen total verhasst.

China ist auch "ein Land der Farben, Lichter und Shows". Alles wird beleuchtet. Besonders faszinierend waren offenbar Wasserschauspiele, bei denen bis zu 800 Akteure dank unterhalb der Wasseroberfläche eingehängter Gitter über Seen gleiten.

Gewalt und Korruptiondie Schattenseiten

Auch ein Besuch des Jangtsekiang und des Drei-Schluchten-Staudamms, für den 1,5 Millionen Menschen umgesiedelt wurden, standen auf dem Programm, wie auch die alte Kaiserstadt Xian und die Große Mauer. Zum Schluss sprach Elsässer Probleme an wie enorme Korruption oder kriegerische Auseinandersetzungen mit Nachbarn um Bodenschätze. Ein Prozent der Einwohner besitze 40 Prozent des Vermögens, beschrieb er die soziale Kluft im Land.