St. Georgen Bauern arbeiten ohne Profit weiter

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Von Stephan Hübner

"Bäuerliche Ökonomie – Wiederentdeckung eines Modells für Nachhaltigkeit" war Thema beim Aschermittwochsgespräch des Forums Pro Schwarzwaldbauern.

St. Georgen-Brigach. Josef Hoppichler von der Bundesanstalt für Bergbauernfragen in Wien berichtete von der Entwicklung der Betriebe Baden-Württembergs.

Deren Zahl sank von 190 000 im Jahr 1971 auf 42 400 im Jahr 2013. Ginge diese Entwicklung weiter, hätte Baden-Württemberg 2043 nur noch 16 800 Betriebe. Angesichts dessen fragte er nach einer Rettung der Landwirtschaft und nötigen Änderungen, zum Beispiel durch die Rückkehr zu gemeinschaftlichen, kollektiven Lösungen.

Laut Hoppichler war bäuerliche Ökonomie immer Familienökonomie. Hauswirtschaft sei aber in den vergangenen 30 Jahren marginalisiert worden.

Bauern neigten zur Selbstausbeutung. Die Konkurrenz zwischen kapitalistischer und bäuerlicher Produktionsweise bedinge, dass der Bauer selbst ohne Profit weiterarbeite. Oberstes Ziel der Tätigkeit sei der Erhalt des Hofs. Dabei habe die industrielle Transformation zu einem "andauernden Hamsterrad von Rationalisierung" geführt. Man lebe mit einer Vergötterung des Neuen und Scheininnovation. Maschinen, High-tech Saatgut oder Tierarzneimittel seien wichtiger geworden als ökologische Regeneration oder Selbstversorgung.

Fehlgesteuerte Agrarsubventionen

Die Konzentration auf Boden als Schlüssel für Agrarförderung beschleunige den Strukturwandel. Hoppichler zitierte Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz. Demnach sind diese fehlgesteuerten Agrarsubventionen der größte Feind der Natur. Tatsächlich sammelten Forscher bei einer Untersuchung auf Feldern nur noch 20 Prozent der Biomasse an Insekten wie vor 30 Jahren.

Der Referent forderte eine Förderung anhand der benötigten Arbeitskraft, um strukturellen Druck nehmen. Er sprach von einer Wiederentdeckung eines Erfolgsmodells und über die Frage nach sinnvollem Leben. Es zeige sich, dass alte Ideologien auf­brechen, manche Bauern Wachstumsverzicht und aktiven Umwelt- und Tierschutz praktizieren.

Es gehe um eine Wiederentdeckung der Selbstversorgung, stärkere Gewichtung von Ökologie, die Wiedereinbindung von Konsumenten, Selbstvermarktung und das Verlassen auf natürliche Kreisläufe. Stichworte seien zum Beispiel Biolandbau, Tierschutz, Gentechnikfreiheit oder vegane Ernährung. Möglich sei auch Eigenproduktion und -versorgung im städtischen Umfeld oder Selbstversorger-Kooperationen und Tauschringe, dazu die Verbindung zur Gesundheit durch pflegerische, pädagogische oder integrative Leistungen. Beispiele seien Tagesbetreuungen für Kinder oder Ältere sowie Bildungs- und Kulturzentren.

Hoppichler warnte aber vor einem Konventionalisierungstrend im Bio-Landbau. Es sei wichtig, sich auf dessen ursprüngliche Ziele zu besinnen. Er forderte, Einsteiger in die Landwirtschaft nicht zu behindern. Leute sollten ein Recht auf Zugang zu Boden haben, Pestizide weltweit verboten werden. Schlussendlich gehe es um ein gutes Leben am Land.

  
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