Sprachverarbeitung Ich habe Sie verstanden!
Regine Warth, 30.07.2012 14:44 Uhr
Die Maschinen sollen menschlicher werden. Sie sollen Befehle ausführen und obendrein mit einem sprechen. Weltweit arbeiten Wissenschaftler daran, die maschinelle Sprachverarbeitung zu verbessern.Foto: dpa
Stuttgart - Sie gehorcht aufs Wort. Wer Siri, das Spracherkennungsprogramm des iPhones, etwas fragt, kann sich einer Antwort sicher sein. Sei es, um zu erfahren, ob man einen Regenschirm braucht – „Nein, heute scheint den ganzen Tag die Sonne“ – oder herauszufinden, wo sich die nächste Pizzeria befindet. Seit vergangenem Jahr ist die virtuelle Sprachassistentin von Apple auf dem Markt und hat geschafft, was man vor ein paar Jahren nur aus Fernsehserien wie „Knight Rider“ oder „Raumschiff Enterprise“ kannte: Die Leute fangen an, mit ihren elektronischen Geräten zu reden.
Sprache eröffnet die Möglichkeit, elektronische Geräte intelligent zu machen. Das funktioniert auch schon ganz gut – nicht nur bei Smartphones: Gerade erst hat Apple sein neues Betriebssystem Mountain Lion zum Download bereitgestellt. Damit können Texte ins Mikrofon diktiert werden und stehen dann als Dokumente zur Verfügung. Auch Samsung und Lenovo präsentierten im Januar auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas Fernseher, die sich mit Handzeichen und Sprachbefehlen steuern lassen.
Und auch Autohersteller bedienen sich der kommunikativen Fähigkeiten der Technik. Linguatronic heißt beispielsweise die Spracheingabe von Mercedes, die vornehmlich in die S-Klasse-Modelle eingebaut wird. Mit dem Programm kann der Autofahrer alles gleichzeitig bedienen – Telefon, Radio und Navigationssystem –, ohne die Hände vom Steuer zu nehmen. Dazu braucht es keine Stichwörter, das System versteht ganze Sätze – laut Unternehmen sogar dann, wenn sie mit Dialekt ausgesprochen werden.
„Die Sprache ist komplex und darüber hinaus dynamisch spontan“
Und doch stoßen die technischen Gesprächspartner schnell an ihre Grenzen: Das liegt nicht an der Technik, sondern an der menschlichen Sprache an sich. „Die Sprache ist komplex und darüber hinaus dynamisch spontan“, so sagt es Grzegorz Dogil, Professor für Experimentelle Phonetik am Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung der Uni Stuttgart. Sie folgt nicht immer festen Regeln. Es gibt verschiedene Sprachgeschwindigkeiten, keinen einheitlichen Rhythmus. Manchmal werden Sätze nicht zu Ende gesprochen oder unterbrochen. Teils ist die Aussprache undeutlich oder von Hintergrundgeräuschen übertönt.
Menschliche Gesprächspartner haben von Kindesbeinen an gelernt, mit solchen sprachlichen Hürden umzugehen . Doch laut dem Sprachexperten Dogil ist es schwer, eine ebenso flexible Anwendung für technische Geräte zu finden, obwohl weltweit genau daran geforscht wird – nicht nur von IT-Experten, sondern auch von Sprachwissenschaftlern, Psychologen und Neurologen.
Bis vergangenen Sonntag haben 200 der internationalen Experten für moderne Sprachforschung in der Konferenz „LabPhon 13“ an der Uni Stuttgart getagt – um ihre bisherigen Forschungsergebnisse zusammenzutragen.
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