Stuttgart - Nach gut einem Jahr Leerstand hat die Dienstvilla für den Ministerpräsidenten auf der Solitude bei Stuttgart wieder einen neuen Mieter. Der Ditzinger Maschinenbauer Trumpf will das Gebäude als Schulungsstätte für seine Mitarbeiter nutzen, teilte das Finanzministerium am Mittwoch in Stuttgart mit. Weder der amtierende Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) noch sein Vorgänger Stefan Mappus (CDU) verließen ihre Privathäuser. Bis Oktober vergangenen Jahres wohnte noch der frühere Ministerpräsident und heutige EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) dort, bevor er eine passende Behausung in Brüssel fand. Auch Oettingers Vorgänger Erwin Teufel (CDU) hatte das Eigenheim in Spaichingen vorgezogen.

Nach vorbereitenden Arbeiten soll die ersten Beschäftigten im Februar 2013 in der Villa weitergebildet werden. Der Mietvertrag ist bis Ende 2016 geschlossen. Eine Verlängerungsoption für das Haus acht Kilometer westlich des Stuttgarter Zentrums besteht.

Trumpf mit dem Firmensitz im nahen Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) gilt als einer der international führenden Hersteller von Werkzeugmaschinen und von Lasertechnologie. Ein Viertel der weltweit rund 10.000 Mitarbeiter ist im Raum Stuttgart beschäftigt.

Die Dienstvilla liegt auf dem Gelände des Schlosses Solitude

Gerlinde und Winfried Kretschmann entschieden sich nach dem Regierungswechsel, weiter ihr liebevoll umgebautes Bauernhaus in Sigmaringen-Laiz zu bewohnen. Eine Wohnung in der Stadt kam auch aus Kostengründen nicht infrage: „3000 Euro Miete, so plus-minus, natürlich kalt, unmöbliert, das ist mir einfach zu teuer für eine Zweitwohnung. Und ich bin Schwäbin!“, wurde Gerlinde Kretschmann zitiert. Die First Lady fühlt sich auch wohler in der Heimat als im zwei Autostunden entfernten Stuttgart. „Dort wäre ich ja auch oft allein. Da bin ich doch lieber Zuhause“, findet sie.

Die Dienstvilla liegt auf dem Gelände des Schlosses Solitude. Dem vom Herzog von Württemberg, Karl Eugen, zwischen 1763 und 1767 erbauten Schloss war ein Wirtschaftsgebäude angegliedert. An dessen Stelle wurde in den Jahren 1968/69 während der Regierungszeit von Ministerpräsident Hans Filbinger (CDU) eine zweigeschossige Villa errichtet, die ganz auf die Wohnbedürfnisse seiner Familie mit fünf Kindern zugeschnitten war. Außer den Räumen für repräsentative Anlässe ließ er im Keller auch ein Schwimmbad einbauen.